Abschied Johannes-Christoph von Bühler in Ludwigsburg

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 17.12.2018

Johannes-Christoph von Bühler ist am Sonntag mit einem Gottesdienst in der Ludwigsburger Friedenskirche in den Ruhestand verabschiedet worden. Der evangelische Theologe war 15 Jahre als Schuldekan für die Kirchenbezirke Ludwigsburg und Besigheim zuständig. Sein Betreuungsbereich reichte von Kornwestheim im Süden bis Lauffen ganz im Norden.

Hunderte angehender Religionslehrer hat er in den Beruf begleitet. Er hielt mit viel Zeitaufwand die Fäden zwischen seiner Kirche und der Staatlichen Schule zusammen. „Ich war so gerne Schuldekan“, bekennt er vor seinem Ruhestand, der offiziell erst im März beginnt. „Schuldekan ist ein fantastischer Beruf.“ In diesem Amt habe er „relativ viele Freiheiten“ gehabt. Und er bekräftigt: „Ich würde es glatt noch einmal machen.“

Schüler im Mittelpunkt

In seiner Zeit lag ein grundlegender Wandel in der Gestaltung des Unterrichts: Im Mittelpunkt steht nicht mehr der Lehrstoff, sondern die Kompetenz des Schülers. „Wir haben eine Menge pädagogischen Raum durchschritten“, bilanziert der 65-Jährige. Früher sei der Katechismus das Maß der Dinge gewesen. Für die Schüler war das Gebot, die evangelischen Glaubensgrundsätze auswendig zu lernen. „Wie beim Nürnberger Trichter. Wissen wird oben reingestopft.“ Heute sei der Unterricht auf Kreativität angelegt: „Wir fangen schon in den Grundschulen an, mit den Kindern über schwierige Fragen zu diskutieren und sie zum selbstständigen Denken aufzufordern“, sagt er. Schüler sollen Denken lernen – beispielsweise bei der Interpretation von Geschichten aus der Bibel. „Wie schaffte es Gott, Daniel ohne Verletzungen aus der Grube des Löwen zu kommen?“, war so eine Frage an die Kinder. „Da kamen dann wilde Konstruktionen heraus. Aber das war okay.“

Von Bühler hatte selbst lange Unterricht gegeben, bevor er als Schuldekan aus der hintersten Reihe im Klassenzimmer Religionslehrer bei ihrer Arbeit beobachtete und anschließend bewertete. „Unterrichten, das war mein liebstes Ding“, sagt er noch heute. „Vor meiner Zeit als Schuldekan habe ich mit großer Freude in einer Werkrealschule unterrichtet. Da habe ich wirklich mein Herz für diese Schulart verloren.“ Seine Reli-Kinder damals in Ditzingen habe er „sehr geliebt“.

Sein Beruf sei auch nach der Zeit als Gemeindepfarrer „relativ seelsorgelastig“ geblieben, wie er sagt. Die Verwaltungsarbeit habe sich „relativ in Grenzen gehalten“. Dagegen sei er bei der Betreuung angehender Religionslehrer oftmals intensiv als Seelsorger gefragt gewesen. „Bevor junge Lehrer die Berufungsurkunde erhalten, ist ein Gespräch fällig“, erläutert er. „Sie glauben nicht, was bei diesen Gesprächen unerwartet alles auf den Tisch kommt.“

Quasi als Rektor habe er als Schuldekan 20 eigene Lehrer beaufsichtigt. Wenn er sie zum ersten Mal gesehen habe, seien sie oft noch Jugendliche gewesen, die gerade mit ihrem Studium fertig geworden seien. Sie hätten eine Begleitung in den Status eines Erwachsenen benötigt. Bis manche selbstsicher vor eine Klasse stehen konnten, habe es oftmals den „Bedarf vieler Gespräche“ gegeben.

Sechs Thesen

Zum Abschied hat Johannes-Christoph von Bühler sechs Thesen hinterlassen. Die erste lautet: „Es braucht in einer christlichen Pädagogik den Vorrang der Person in Achtsamkeit und sensibler Wahrnehmung, in Interesse und Wertschätzung.“

Ohne Vorrang der Person landeten „sowohl pädagogische Theorie als auch Erziehungsarbeit im pädagogischen Aus“. Der Religionsunterricht, so heißt es in der vierten These, könne auch abstürzen. „Wie lange wird der Religionsunterricht noch an Konfession und Bekenntnis gebunden bleiben“, stellt er sich darin die Frage.

Werteerziehung

Als Einwanderungsland benötige Deutschland eine „allgemeine und verpflichtende Werteerziehung“, fordert er und fragt: „Sollte dies in Zukunft den Religionsunterricht ersetzen?“

Die Frage, ob er vollständig aus der Kirchenarbeit steigen wird, lässt er unbeantwortet. Stattdessen erläutert er, dass seine Frau, eine ehemalige Gymnasiallehrern, bereits im Sommer in den Ruhestand gegangen sei. „Sie ist fünf Tage älter als ich.“ Mit dem gemeinsamen Pläneschmieden für die kommenden Jahre haben sie bis zu seiner Verabschiedung gewartet. „Wir haben uns darüber verständigt, dass wir uns neu erfinden wollen. Bis jetzt steht da aber noch nichts fest.“

DER SCHEIDENDE SCHULDEKAN

Dr. Johannes-Christoph von Bühler ist 1953 in Tuttlingen geboren und in einem evangelischen Pfarrhaus in Stuttgart und in Markgröningen aufgewachsen. Sein Abitur hat er 1972 am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg gemacht. Anschließend folgte ein Studium der evangelischen Theologie in Tübingen, München und Jerusalem mit Examen in Tübingen.

Das nachfolgende Studium der Erziehungswissenschaft in Tübingen endete mit einer Promotion über die Entstehung der Jugendforschung. Nach dem Vikariat war er 15 Jahre Pfarrer im Kirchenbezirk Ditzingen. Von 2003 bis 2018/19 Schuldekan in Ludwigsburg. uro

Kommunen müssen sich in Europa einmischen

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 11.12.2018

Wie wird Europa seinen Bürgern wieder nähergebracht? Darüber sprechen unter anderem 120 Delegierte aus 20 europäischen Ländern, die Konferenzgäste im Landratsamt Ludwigsburg sind. Weitere Schwerpunktthemen sind die Nachhaltigkeit und dabei die Suche nach pragmatischen Lösungen, wie man beispielsweise in den Kommunen Plastikabfälle vermeiden kann.

Hauptredner des ersten Konferenztags aus der Landesregierung waren am Montag Europaminister Guido Wolf (CDU) und der örtliche Europaabgeordnete Rainer Wieland (CDU), der zugleich einer der Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments ist. Veranstalter ist der Council of European Municipalities and Regions (CEMR). Landrat Rainer Haas ist seit 2016 der Co-Präsident des mächtigen Zusammenschlusses europäischer Städte und Regionen.

Er erklärt sein Engagement auf europäischer Ebene so: „Die Kommunen müssen sich in Europa mehr einmischen.“ Die Landratsämter und Rathäuser sollten sich nicht nur als Umsetzer europäischer Regelungen betrachten, sondern Brüssel politischen Input liefern. Ginge es nach ihm, würde er beispielsweise das Prinzip der Einstimmigkeit knacken, mit dem sich die Mitgliedstaaten gegenseitig blockierten.

Schnelleres Europa

Das hindere die Staats- und Regierungschefs in der Regel daran, die Europäische Union in wichtigen Angelegenheiten, wie Vertragsreformen oder die Weiterentwicklung des Steuerrechts. Ein Europa höherer Geschwindigkeit ist für Haas die einzige Lösung, um zu einem neuen EU-Vertrag zu finden und so dem derzeitigen Schlamassel beispielsweise um die Flüchtlingsverteilung oder Schuldenobergrenzen zu entkommen. Denn mindestens ein Staat stellt sich nach seiner Erfahrung in einer wichtigen Abstimmung jedes Mal quer.

Den Rat der europäischen Städte und Regionen gibt es bereits seit 1951 und er vertritt heute die Interessen der lokalen und regionalen Gebietskörperschaften sowie deren Verbände aus 42 Staaten. Der „CEMRE“ vertritt etwa 130 000 kommunale und regionale Verwaltungen. Die Herkunftsländer der Teilnehmer sind nicht alle Mitglieder der Europäischen Union. So sind auch die Türkei, Georgien und die Ukraine dabei. Zusammengekommen sind in Ludwigsburger Kreishaus die Mitglieder des Präsidiums (Executive Bureau) und des Hauptausschusses (Policy Committee). Landrat Haas wünscht sich, dass die Organisation dieses Pfund nutzt und ihr politisches Gewicht im europäischen Gesetzgebungsprozess stärkt. Vom kommunalen Pragmatismus und der Bürgernähe könne die EU profitierten, ist er überzeugt.

Einmütiges Votum

Auf seine Initiative verabschiedete der Verband vor zwei Jahren einen Forderungskatalog an das Europaparlament und die EU-Kommission zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Asylrechts. Der Beschluss habe vor allem deshalb Furore gemacht, weil er ohne Gegenstimmen zustande gekommen sei. Die Resolution gilt nach seiner Auffassung als Beleg dafür, „dass Politiker auf kommunaler Ebene es sich gar nicht leisten können, nicht pragmatisch zu sein und auf Augenhöhe eher gemeinsame Lösungen finden“, so Haas. Nur hätten die Regierungen der EU-Staaten dieses einmütige Votum von der Basis nicht wahrgenommen.

Europaminister Guido Wolf hält es ebenfalls für notwendig, dass sich die EU-Institutionen stärker an den Kommunen orientieren sollten. „Brüssel und Straßburg können etwas mehr von den Kommunen gebrauchen“, sagt er in seinem Grußwort am Montag. Europa müsse sich nicht um alles kümmern, „dafür um die richtigen Dinge“, so Wolf.

Europaabgeordneter Rainer Wieland betont in seinem Vortrag vor allem auch die Fortschritte, die die EU seit ihrer Existenz gemacht habe und leider nicht entsprechend gewürdigt würden. Wer über die Existenzbedingungen in den vergangenen Jahrhunderten nachdenke, werde zum Ergebnis kommen, dass er in Europa zu keiner anderen Zeit habe leben wollen als zu dieser Zeit.

Kreis-Klinikum Ludwigsburg: Schwarze Null rückt näher

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 08.12.2018

Die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gehen in die Offensive, um dem drohenden Pflegenotstand zu begegnen. Als Arbeitgeber treten sie in Konkurrenz zu den Pflegeeinrichtungen. „Wir suchen jetzt Altenpfleger, um vakante Stellen zu besetzen“, sagte Kliniken-Geschäftsführer Jörg Martin am Freitag bei der Präsentation des Unternehmensplans für das kommenden Jahr.

Die Regionale Kliniken Holding (RKH), zu der die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gehören, hat erste Stellenanzeigen geschaltet. In denen fordert sie nicht wie üblich nur Gesundheits- und Krankenpfleger zur Bewerbung auf, sondern ausdrücklich auch Altenpfleger. „Wir zahlen besser als die Altenpflege“, ist seine Hoffnung auf mehr Interessenten. Zudem will die RKH eine Akademikeroffensive starten, wie Martin mitteilte, um „auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Pflege anbieten zu können“. Außerdem sollen Absolventen eines Pflegestudiums das medizinische Personal entlasten. Üblicherweise hat eine Pflegefachkraft eine dreijährige Ausbildung an einer Pflegefachschule hinter sich. Das Studium mit einem Bachelorabschluss dauert hingegen vier Jahre. Die Akademiker unter den Pflegekräften sollen sich beispielsweise um Problempatienten kümmern und „auch mal eine Nadel legen“. Anreize sollen eine höhere Bezahlung sein.

Gefahr für Intensivstationen

Hintergrund der Offensive ist, dass von 2020 an nach den gesetzlichen Vorgaben ausschließlich examinierte Pflegekräfte refinanziert werden können. Besonders drastische Auswirkungen werde diese Entwicklung beispielsweise für Intensivstationen haben, prophezeit der Klinikchef. Sollten in einer Schicht zu wenige Fachkräfte im Dienst sein, müssten Patienten notfalls abgewiesen werden. „Wir werden wieder einen Intensivtourismus bekommen“, zeigt sich Martin überzeugt und stellt fest: „Wir können keine modernen Konzepte mehr entwickeln.“ Dafür fehle es an unternehmerischen Freiheiten.

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Krankenhäuser in Ludwigsburg, Bietigheim und Marbach sowie der Orthopädischen Klinik Markgröningen (OKM) ist die Klinikleitung allerdings zufrieden. Während der Ludwigsburger Standort auf ein zu erwartendes Ergebnis im kommenden Jahr von 1,28 Millionen Euro kommt, ist Bietigheim mit 25 600 Euro mittlerweile leicht im Plus. Marbach jedoch stagniert bei einem Minus von zwei Millionen Euro. In der OKM sind nach einer längeren Umbaupause 2019 wieder sämtliche zwölf Operationssäle in Betrieb. Während für dieses Jahr noch ein Minusergebnis von 915 800 Euro erwartet wird, soll im nächsten Jahr ein kleines Plus von 33 200 Euro stehen, so OKM-Geschäftsführer Olaf Sporys.

Investition: 200 Millionen Euro

Insgesamt, so ist sich Holding-Geschäftsführer Martin sicher, könne zum Ende nächsten Jahres eine „schwarze Null“ für alle Häuser erreicht werden. „Wir haben die Kliniken für den Landkreis wirklich gut konsolidiert.“ Mit 15 000 Betten für etwa 540 000 Kreisbürger sei das Verhältnis ausgewogener als in der Landeshauptstadt, in der die Kapazitäten größer seien. In den kommenden vier Jahren sollen in die Häuser Ludwigsburg, Bietigheim und Marbach 200 Millionen Euro investiert werden, so Regionaldirektor Matthias Ziegler. In Bietigheim werde der Masterplan Bau ständig fortgeschrieben. Die Wahl des Architekturbüros für den Erweiterungsbau mit einer Fläche von 15 000 Quadratmetern sei im September erfolgt, ebenso im November die Wahl der Fachplaner. Die Ausführungsplanungen sollen Anfang des Jahres beginnen. Die beiden früheren Notaufnahmen seien bereits zusammengelegt worden. „Das hat uns große Fortschritte gebracht“, so Ziegler. Derzeit werde der OP-Bereich umgestaltet und die plastische Chirurgie weiter ausgebaut und die Kapazitäten in der Adipositas-Chirurgie erweitert. Eine papierlose Patientendokumentation (Orbis mobility) soll es bis zum Jahresende in allen Stationen geben.

In Ludwigsburg steht die Erweiterung der Psychiatrie an. Dafür sind 8,6 Millionen Euro eingeplant. 6,8 Millionen Euro hat die Holding in eine neue Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) investiert, die im ersten Quartal 2019 in Betrieb gesehen soll. Die Abteilung in Bietigheim soll dann geschlossen werden.

Ludwigsburg: viel Geld aus Berlin für Elektromobilität

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 01.12.2018

Stadt- und Landkreisverwaltung haben über ihren CDU-Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger gute Kontakte zum Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Bilger ist Staatssekretär von Scheuer, und das macht sich offensichtlich bezahlt: Laut Mitteilung des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur erhält Ludwigsburg eine Förderung für 122 Elektrofahrzeuge und 35 Ladestationen. In Berlin wurde aber auch an den Landkreis gedacht, der für 20 E-Fahrzeuge nebst ebenso vielen Ladeeinrichtungen einen Zuschuss aus der „Förderrichtlinie Elektromobilität“ bekommt. Beträge werden nicht genannt. Aus der Bescheidübergabe ist aber ersichtlich, dass keine andere Stadt und kein anderer Landkreis in Deutschland so viele Fahrzeuge bezuschusst bekommen wie Ludwigsburg. Auf Platz zwei der Förderliste aus dem Bundesverkehrsministerium folgt die Landeshauptstadt Düsseldorf mit 45 Fahrzeugen. Der Landkreis Fulda bekommt als zweiter Landkreis auf der Liste fünf Fahrzeuge bezuschusst.

Nur 29 Autos für Stuttgart

Stuttgart mit seinem CO2-Problem am Neckartor bekommt für 29 Fahrzeuge und ebenso viele Ladestationen Geld aus Berlin. In der Region Stuttgart bekommen darüber hinaus noch Leonberg 20 E-Fahrzeuge und 20 Ladestationen sowie Esslingen drei Fahrzeuge und zwei Ladestationen gefördert. Für Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec, der im kommenden Jahr wiedergewählt werden möchte und die Bekämpfung des Klimawandels in der Stadt mit seinem Namen verbunden hat, ist Bilger offensichtlich ein Segen: Der 39-Jährige ist neben seinem Mandat in Berlin Chef der CDU-Nordwürttemberg. Die hat jüngst auf seinen Vorstoß hin den Antrag gestellt, die Gemeinnützigkeit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) überprüfen zu lassen. Ein Schritt, der von Spec begrüßt wird. Die DUH hat angekündigt, dass ein Verfahren, das sich gegen Ludwigsburg richtet, demnächst wohl eröffnet wird und ein Urteil 2019 zu erwarten sei (die BZ berichtete). Gegenüber dem Handelsblatt sagte Bilger, Ludwigsburg habe alles getan, um die Luftreinhalteziele einzuhalten, sei Modellkommune für Elektromobilität und komme sehr gut voran damit. „Trotzdem wird die Stadt von der DUH verklagt.“ Er finde das Vorgehen der DUH „völlig daneben“. Das Problem jedoch ist, dass seit einigen Monaten die CO2– und Feinstaubkonzentrationen wieder etwas ansteigen. Ludwigsburgs Rathauschef führt das auf die anhaltende Trockenheit zurück.

Konservator Felix Muhlen hält eine Skulptur, die Greifen genannt wird. Sie gehören zum Residenzschloss Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth

Schloss Ludwigsburg: Verborgene Skizzen des Hofarchitekten

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Südwest Presse, Uwe Roth, 21.11.2018

Einige Prachträume im nördlichen Teil des Ludwigsburger Residenzschlosses sind derzeit ungewohnt unaufgeräumt. Möbel fehlen. Wände sind kahl, manche sogar ohne Putz. Auch Backsteine sind sichtbar. Der Grund: Noch bis März 2020 wird das Neue Corps de Logis, Privaträume des Königs, restauriert.

Es ist wohl die erste gründliche Renovierung nach über 200 Jahren. Das große Möbelrücken bringt nicht nur Staub, sondern auch Überraschungen zum Vorschein, die im jetzigen Zustand vor allem Restauratoren begeistern.

Unscheinbares Brett

Am jüngsten Fund im Audienzzimmer des Königs, über den die Schlossverwaltung am Dienstag die Medien informierte, gehen Schlossbesucher achtlos vorbei: Auf einem schmalen, in der Wand verankerten Holzbrett sind kaum erkennbare Bleistiftzeichnungen zu sehen.

Oberkonservatorin Patricia Peschel und Restaurator Felix Muhle identifizierten die Skizzen nach näherer Betrachtung als schnelle Entwürfe zweier repräsentativer Beistelltische. Die beiden Experten sind vor allem aber begeistert, weil wohl Nikolaus Friedrich von Thouret diese Zeichnungen angefertigt hat. Der geborene Ludwigsburger war ein berühmter Architekt und Maler seiner Zeit, der nach 1800 an der Innengestaltung des Neuen Schlosses in Stuttgart beteiligt war und dafür die Entwürfe machte. Handwerker hatten damals das Brett nicht weggeworfen, sondern es offenbar in Ludwigsburg weiterverwendet, um einen prachtvollen Konsoltisch an der Wand zu befestigen.

Greifen tragen die Tischplatte

Wegen der Renovierung ist der Tisch entfernt worden. So kamen die Skizzen nach über zwei Jahrhunderten zum Vorschein. Die schweren Wandtische mussten gereinigt werden, berichtet Restauratorin Liliane Keller, die diese Aufgabe übernommen hat. Es ist eine Großreinigung mit Wattestäbchen und etwas Benzin geworden. Damit hat sie in Kleinarbeit die Platten von der Schmutzschicht befreit. Während die hintere Tischkante an der Wand befestigt war, wurde die vordere von drei Figuren, sogenannten Greifen, getragen. Es sind Fabeltiere, eine Kreuzung von Greifvogel und Löwe. Ihre schwarze Oberfläche ist so sensibel, dass selbst Wattestäbchen Schaden angerichtet hätten, sagt Kurator Muhle. Die Figuren wurden mit Lasertechnik berührungsfrei soweit wie nötig von der Patina befreit.

Cannabis auf Rezept ist die Ausnahme

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 26.10.2018

Vor Kurzem hat die Regierung von Kanada Erwachsenen erlaubt Cannabis legal zu kaufen und zu konsumieren. Seither wachsen die Erwartungen, dass auch in Deutschland das strikte Verbot im Umgang mit dieser Droge gelockert wird. Nach Erkenntnissen der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hat mehr als jeder vierte erwachsene Deutsche (zwischen 18 und 64 Jahren) bereits mindestens einmal im Leben illegale Drogen konsumiert. Cannabis sei dabei „unverändert die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Droge“.

Neues Cannabis-Rezept seit 2017

Unter den 12 – bis 17-Jährigen gaben nach den Umfragen der Beobachtungsstelle 7,3 Prozent an, in den vergangenen zwölf Monaten wenigstens einmal Cannabis konsumiert zu haben. Bei den 18- bis 64-Jährigen seien es 6,1 Prozent gewesen. Zum Vergleich: 30 Prozent der Erwachsenen sind Zigarettenraucher. Laut dem jüngsten Bericht des Polizeipräsidiums Ludwigsburg hat 2017 die Droge Cannabis „nach wie vor den absoluten Schwerpunkt bei den polizeilich bearbeiteten Drogendelikten“ gebildet. Die Fallzahlen seien in einem Jahr um knapp acht Prozent angestiegen. Seit eineinhalb Jahren bekommt man in Deutschland Cannabis legal – allerdings ausschließlich auf Rezept. Hintergrund ist ein neues Gesetz, das im März 2017 in Kraft getreten ist.

Bei der AOK-Bezirksdirektion Ludwigsburg-Rems-Murr sind nach Angaben des Sprechers Joachim Härle seither aus den Reihen der mehr als 330 000 Mitglieder insgesamt 174 Anträge auf das sogenannte medizinische Cannabis als Arzneimittel eingegangen. „In diesem Zusammenhang sprechen wir nicht von Drogen“, stellt Härle klar. Das „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ erlaubt auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung Apotheken die Abgabe von Cannabis in kontrollierter Qualität für Versicherte mit einer schwerwiegenden Erkrankung in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten. Weitere Darreichungsformen sind Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol und Nabilon.

Zwischen 400 und 2000 Euro

„Für die Verschreibung muss zwingend eine ärztliche Verordnung vorliegen“, so der AOK-Sprecher. Zudem könne der Patient das erste Rezept erst bei der Apotheke abgeben, wenn die Krankenkasse ihre Zustimmung gegeben hat. Gibt sie grünes Licht, kommen nach seinen Angaben auf die Kasse monatliche Kosten je Cannabis-Produkt und Patient zwischen 400 und 2000 Euro zu. Die Hürden für den legalen Cannabis-Konsum sind hoch gelegt: „Für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse muss eine schwerwiegende Erkrankung vorliegen, bei der eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung nicht zur Verfügung steht oder nach Einschätzung des behandelnden Arztes im Einzelfall nicht zur Anwendung kommen kann.“ So lautet die offizielle Definition. Zudem müsse „eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome in naher Aussicht stehen“.

Chronische und kaum erträgliche Schmerzen sind hauptsächlich die Gründe für ein Cannabis Rezept. Knapp die Hälfte aller Anträge bei der AOK sind zur Behandlung solcher Leiden gestellt worden. Bei Krebserkrankungen werden neben der Bekämpfung von Schmerzen häufig auch Anträge für die Behandlung einer krankhaften Abmagerung (Kachexie) gestellt. Cannabis hilft auch gegen das Erbrechen während einer Chemotherapie. Eine weitere wesentliche Indikation ist die Behandlung von Spastiken bei Multipler Sklerose.

Wissenschaftliche Begleiterhebung

Auch bei psychiatrischen Krankheitsbildern werden Therapieversuche unternommen. Darüber hinaus findet sich noch eine Vielzahl weiterer Erkrankungen. Für die meisten anderen möglichen medizinischen Anwendungsgebiete sogenannter Cannabinoiden gibt es laut Härle derzeit nur wenig belastbare Erkenntnisse. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber die Abgabe unter fortlaufender wissenschaftliche Beobachtung gestellt. Das bedeutet in der Praxis: Der verordnende Arzt muss die für die Erhebung erforderlichen Daten dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in anonymisierter Form übermitteln. Bis ins Jahr 2022 läuft die wissenschaftliche Begleiterhebung. Dann erst steht endgültig fest, zu welchen Zwecken Cannabis-Produkte abgegeben werden dürfen.

Klimawandel: Blühendes Barock wird mediterraner

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 24.10.2019

Die anhaltende Hitze ist für die am 4. November zu Ende gehende Saison des Bühenden Barocks (Blüba) „Fluch- und Segen zugleich“ gewesen. So bilanziert der Direktor des Blüba, Volker Kugel, die vergangenen Monate. Diese seien durch einige Extreme geprägt gewesen. An den besonders heißen Tagen mit Temperaturen bis zu 35 Grad Celsius seien weniger Besucher als gewöhnlich gekommen. Dafür sei der Zulauf wegen des anhaltenden Sommerwetters mit milderen Temperaturen bis in den Oktober hinein ungewöhnlich hoch geblieben.

Unterm Strich zeigt sich der Blüba-Chef mit der Saison 2018 sehr zufrieden: Während des Vorverkaufs im März waren rund 38 000 Dauerkarten verkauft worden. Bis Mitte Oktober sind nach seinen Angaben weitere rund 6000 Karten hinzugekommen. Nach seiner Einschätzung wird dieser Verkaufsrekord jedoch kaum noch zu steigern sein. „Der Zenit ist wohl erreicht“, so Kugel.

600000 Tageskarten

Wie häufig die etwa 44 000 Dauerkartenbesitzer das Blüba besucht haben, wird statistisch nicht erfasst. Wiederum gesichert ist, dass es laut den Blüba-Zahlen mit etwa 600 000 verkauften Tageskarten einen Rekord gegeben hat. Im vergangenen Jahr waren 30 000 Einmaltickets weniger verkauft worden. Mit 240 000 Karten hat sich erneut die Kürbisausstellung als ein starker Besuchermagnet erwiesen. Sie endet am 1. Novemberwochenende mit dem traditionellen Kürbisschlachtfest.

Auch ansonsten ist die Blüba-GmbH mit dem Interesse an ihren zahlreichen Veranstaltungen zufrieden. So waren während des Straßenmusikfestival-Wochenendes 28 000 Tagesgäste gezählt worden.  Als der Circus Roncalli drei Wochen im Juli und August im Südgarten gastierte, litten nicht allein die Zirkuskünstler unter der Tropenhitze, sondern auch die Besucherzahlen. Im Vorfeld haben die Betreiber mit mehr Zirkusgästen als vor zwei Jahren in Ludwigsburg gerechnet. Gekommen seien dann etwa so viele wie 2016. Dass Roncalli in zwei Jahren erneut kommt, gilt als weitgehend gesichert. Laut Kugel gibt es bereits eine Absichtserklärung.

„Der Klimawandel ist spürbar“

Blüba-Chef Volker kugel

Obwohl es seit April nach den Blüba-Aufzeichnungen lediglich ein Viertel der üblichen Menge geregnet hat, habe die Trockenheit zu weniger Problemen geführt als erwartet: „Wir haben erstaunlich wenig zusätzliches Wasser benötigt“, sagt der Direktor. Die Ausgaben fürs Wasser seien von 30 000 auf 50 000 Euro gestiegen. Einige Rasenflächen seien allerdings nicht bewässert worden. Andernfalls wären die Wasserkosten auf bis zu 150 000 Euro angestiegen. In den nächsten Jahren werden in den Beeten des Blühenden Barock automatische Bewässerungsanlagen installiert, die nachts in Betrieb gehen, wenn die Erde Wasser am besten aufnehmen kann. „Der Klimawandel ist spürbar“, erläutert Kugel. Zug um Zug würden hitzeempfindliche Pflanzen und die mit hohem Wasserbedarf durch Trockenpflanzungen ersetzt. Das Blühende Barock werde mediterraner.

Vorbereitungen für 2019 laufen bereits

Nach der Saison ist vor der Saison. Die Blüba-Macher stecken bereits in den Vorbereitungen für 2019. Zumal im nächsten Jahr zwei Jubiläen anstehen: So wird der Märchengarten 60 und die Kürbisausstellung 30 Jahre alt. Mit der Filmakademie wird derzeit ein Hightech-Spiel entwickelt. So werden die Motive des Sandkunst-Festivals und der Kürbisausstellung Märchen und Fantasiefiguren sein. Am 22. März wird die nächste Saison eröffnet.

Fahrerflucht: Lackspuren und Glassplitter führen zum Täter

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 16.10.2018

Beinahe täglich findet man sie in den Polizeimeldungen: Verkehrsunfälle mit anschließender Fahrerflucht. Manchmal kommen sie geballt wie etwa am letzten September-Wochenende. Zuerst meldete sich in Remseck der Fahrer eines geparkten Daimlers, der vom Wagen eines Fahrerflüchtigen beschädigt worden war. Kaum später brachte in Schwieberdingen ein Fahrzeugbesitzer einen beschädigten Außenspiegel zur Anzeige, der offensichtlich von einem vorbeifahrenden Auto demoliert wurde. Verursacher unbekannt.

Ähnliches passierte kurz darauf in Asperg. Schaden immerhin 2500 Euro. Am Sonntagnachmittag schließlich verkratzte in Bietigheim in der Berliner Straße ein Unbekannter beim Ausparken ein Fahrzeug, an dem ein Schaden von 1000 Euro entstand. Fahrer­flüchtige machen der Polizei eine Menge Arbeit. Und die Delikte mehren sich.

Fahrerflucht führt immer zur Anzeige

Pressesprecherin Tatjana Wimmer vom Polizeipräsidium Ludwigsburg nennt Zahlen: „Im ersten Halbjahr 2018 ereigneten sich im Landkreis Ludwigsburg 1966 Verkehrsunfälle, bei denen sich der Unfallverursacher unerlaubt von der Unfallstelle entfernte.“ In den ersten sechs Monaten des Vorjahres waren nach ihren Angaben 1829 Unfälle dieser Art registriert worden – also rund 140 Fälle weniger. „Ein vergleichbarer Anstieg war bereits im Jahr 2016 zu beobachten“, so Wimmer. Die Polizei könne Bagatellfälle trotz Häufung nicht ignorieren und müsse für jede Anzeige eine Akte anlegen, selbst wenn ein kleiner Kratzer gemeldet werde.

„Es handelt sich um eine Straftat, wenn sich nach einem Verkehrsunfall der Verursacher unerlaubt entfernt“, erläutert die Sprecherin. Deswegen müsse die Polizei „gemäß des Legalitätsprinzips“ ein Ermittlungsverfahren eröffnen. „Es gibt da keinen Spielraum und insofern keine Schadensgrenze.“

„Jeder Unfall hinterlässt Spuren“

Polizeisprecherin Tatjana Wimmer

Fahrerflüchtige zu finden, ähnele oftmals einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Doch: „Jeder Unfall hinterlässt Spuren“, stellt die Polizeibeamtin fest. Sie meint Spuren an den Fahrzeugen, an möglicherweise betroffenen Personen und auf oder neben der Fahrbahn. Dabei könne es sich um die Beschädigung am Fahrzeug selbst handeln, die Hinweis liefere, auch wie der Unfall sich zugetragen haben könnte. Gleiches gelte für Schäden und Unfallspuren im Bereich der Fahrbahn oder im schlimmsten Fall bei verletzten Personen. „Mit Blick auf die Suche nach dem Verursacherfahrzeug sind vor allem Lackspuren, Kunststoff- oder Glasteile relevant“, erläutert Wimmer weiter.

Kooperation mit Fachwerkstätten

Über eine gesicherte Lackspur könne unter bestimmten Voraussetzungen ein Fahrzeugtyp und ein Zeitraum zum Baujahr zugeordnet werden. „Damit eröffnen sich weitere Ermittlungsschritte.“ Gleiches gelte für Kunststoff- und Glassplitter. „Wir stehen hier in Kontakt mit Fachwerkstätten“, berichtet sie aus der Ermittlerarbeit. In Bezug auf die Zuordnung auf den Fahrzeughersteller, –typ und den Herstellungszeitraum sei das Kriminaltechnische Institut beim Landeskriminalamt Baden Württemberg hilfreich.

Ob sich allerdings Spuren finden ließen, hänge von mehreren Faktoren ab: Wieviel Zeit ist nach dem Unfall bis zur Anzeigeerstattung verstrichen? Kann ein genauer Unfallort und ein genauer Beschädigungszeitraum angegeben werden? Das allerdings könne vor allem bei Unfällen an länger geparkten Fahrzeugen schwierig sein, merkt sie an. Nicht weniger wichtig seien in diesem Zusammenhang Hinweise von Zeugen auf den Flüchtigen und/oder das Fahrzeug sowie auf den Unfallhergang, betont sie.

Jede dritte Unfallflucht wird aufgeklärt

Jede dritte Unfallflucht könne auf diese Weise aufgeklärt werden, zieht Tatjana Wimmer Bilanz. Unter den 1966 Fällen im ersten Halbjahr hat die Polizei 658 Verursacher ausfindig gemacht. Warum es zu immer mehr Anzeigen kommt, ob Autofahrer rücksichtsloser werden, darüber kann die Polizeisprecherin nur spekulieren. Steigt die Zahl der Unfälle mit Fahrerflucht oder lediglich die der Fälle, die der Polizei gemeldet werden? „Eventuell könnte es mit einem veränderten Anzeigeverhalten zusammen hängen“, überlegt sie. Immer mehr Fahrzeuge seien geleast, finanziert oder würden geschäftlich genutzt. In den entsprechenden Verträgen sei nach Schäden eine polizeiliche Unfallaufnahme vorgeschrieben. Selbst bei kleinen Kratzern.

Rike Scheffler. Foto: Uwe Roth

Stadtschreiberin Rike Scheffler ist Wortkünstlerin

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 17.05.2018

Rike Scheffler ist die erste Stadtschreiberin in Ludwigsburg. Am Dienstag hat sie sich im Kunstzentrum Karlskaserne zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Während Schriftsteller oder Lyriker höchstens ein paar Bücher, vielleicht noch einen USB-Stick in eine Lesung mitbringen, ist sie vor zwei Wochen mit schwerem Gepäck aus Berlin angereist.

Ihr Equipment besteht aus Keyboard, Loopingmaschine, Stimmenharmonizer, Mischpult, zwei Mikrofonen, Lautsprechern und einem Verstärker. Das alles hat sie im Eingangsbereich der Kaserne aufgebaut.  So wie die 32-Jährige mit ihrer Technik jongliert, Regler dreht, Knöpfe drückt, erinnert sie eher an eine DJane als an eine Literatin. Das erklärt, warum die Veranstaltung nicht „Lesung“ genannt wird, sondern „Performance“.

Orchestrale Klangkulisse

Rike Scheffler ist zweifelsfrei eine Wortkünstlerin. Studiert hat sie Psychologie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. „Nie war die Neigung des Erdballs so herrlich“, lautet so ein Satz ihrer Poesie. Oder: „Wann traust du dich raus. Wann schlägt dein Denken in Handeln raus.“ Aber Scheffler ist ebenso Sängerin – und vor allem, sie beherrscht ihre Musikmaschinen exzellent. Loop bedeutet Schleife. Mit dem entsprechenden elektronischen Gerät funktioniert das so: Scheffler spricht oder singt eine Sequenz, die nur wenige Sekunden dauert und aufgezeichnet wird. Danach drückt sie die Starttaste, und die Sequenz geht in die Endlosschleife. Auf diesen Loop legt sie einen weiteren und manchmal noch einen zusätzlichen drauf. Das schafft eine Klangkulisse, die einem kleinen Orchester gleichkommt und zu der sie „live“ ein weiteres Klangelement setzt. Ihre Stimme verändert sie über den Harmonizer.

Diese klingt dann zum Beispiel mehrstimmig. Dazu mischt die Performancekünstlerin Hall und erinnert damit im Klangergebnis an den meditativen Gesang von Nonnen in einer Kathedrale. Ihre Loops kombiniert sie gelegentlich zu kleinen Hörspielen. Sie nennt ihre Stücke „Looppoems“.

Erste Stadtschreiberin

Vergangenen Oktober ist die Künstlerin als erste Stadtschreiberin von Ludwigsburg ausgewählt worden. Hintergrund ist, dass die Stadt in diesem Jahr die 35. Baden-Württembergischen Literaturtage austrägt. Die Entscheidung der Jury fiel gerade wegen ihrer ungewöhnlichen Darstellung auf die Berlinerin, um auch jüngere Menschen für die Literatur zu interessieren, die mit klassischen Gedichten wenig anfangen können.

Bezug zur Stadt

Rike Scheffler wohnt in der Künstlerwohnung in der Karlskaserne und bleibt für Recherchen bis Ende Juni in Ludwigsburg. Ihr Werk, das am 19. Oktober bei der „Langen Nacht der Poesie“ in der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg präsentiert wird, soll einen erkennbaren Bezug zur Stadt haben. Schließlich feiert Ludwigsburg in diesem Jahr 300 Jahre Stadtrecht.

Landrat Rainer Haas über den Dieselskandal: Fahrzeughersteller beherrschen die Regierung

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Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 07.03.2018

Landrat Rainer Haas ist auf die Automobilindustrie derzeit überhaupt nicht gut zu sprechen. Vor deren Lobbyisten, so warnte er am Montag die Kreistagsmitglieder im Ausschuss für Umwelt und Technik, müsse man sich als Kommunalpolitiker in Acht nehmen: „Die tun Ihnen was in den Tee“, sagte er sichtlich aufgebracht. Es soll heißen, die Fahrzeughersteller versuchten, mit ihren Argumenten in der Feinstaubdiskussion die Öffentlichkeit schlicht zu manipulieren.

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