Archiv der Kategorie: BZ

Erste Sitzung des Zweckverbands zum Ausbau des Breitbandnetzes im Landkreis Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth

Zweckverband Breitband nimmt im Landkreis Ludwigsburg Arbeit auf

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 04.03.2019

Oberbürgermeister aus dem Landkreis, Bürgermeister und Landrat Dr. Rainer Haas trafen sich jetzt zur ersten Versammlung des Zweckverbands Kreisband Ludwigsburg (KBL). Der KBL hat eine eigene Geschäftsstelle, die die Verlegung der Glasfaserkabel zwischen den Kommunen koordiniert.

Alle 39 Kreiskommunen sind Mitglied. Bietigheim-Bissingen ist es noch nicht offiziell. Der Gemeinderat der Stadt wird am 12. März voraussichtlich einem Beitritt zum Zweckverband zustimmen. Landrat Rainer Haas nannte es „eine tolle Sache, dass es gelungen ist, alle Kreiskommunen ins Boot zu holen“.

Seine Erleichterung hatte Gründe: Der Gründung des KBL gingen hinter den Kulissen zum Teil schwierige Verhandlungen voraus. Denn der große Partner beim Ausbau ist die Deutsche Telekom, die in den Rathäusern nicht immer als verlässlich bei der Umsetzung von Vereinbarungen gilt. Ludwigsburg und Kornwestheim haben darüber hinaus ihre eigenen Vorbehalte. Ihre gemeinsame Stadtwerke GmbH verfolgt ein eigenes Programm zum Glasfasernetzausbau. Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim bieten schnelles Internet mit bis zu 500 Mbit pro Sekunde, Telefonie und Kabelfernsehen an. Sie sind somit direkte Wettbewerber zur Telekom, aber auch Unitymedia und Vodafone.

Gebündelte Breitbandinitiative in der Region Stuttgart

Der Breitbandausbau soll nicht nur im Landkreis, sondern in der gesamten Region beflügelt werden. Zu diesem Anlass sind auch in Stuttgart und den vier weiteren umliegenden Landkreisen entsprechende Zweckverbände entstanden. Bis Ende März wird auf regionaler Ebene die Gigabit Region Stuttgart GmbH gegründet mit dem Ziel, „als eine der ersten deutschen Regionen ein 5G-Mobilnetz“ zu erhalten. Außerdem soll das Mobilfunknetz verdichtet und beschleunigt werden. Insgesamt 179 Städte und Gemeinden in der Region mit rund 2,8 Millionen Menschen und etwa 140 000 Unternehmensstandorten sollen bis spätestens Ende 2030 ins Netz eingebunden werden. Vorrang bekommen Schulen und andere Bildungseinrichtungen.

Die großen Städte in der Region mit eigenen Stadtwerken wollten erst eigene Wege gehen und den Zweckverbänden fernzubleiben, um nicht in die Gefahr zu geraten, Anhängsel der Telekom zu werden, und um weiterhin eigene Ausbaupläne verfolgen zu können. Doch der Kommunikationskonzern ließ sich wohl auf Zugeständnisse ein. Noch am Mittwoch hatte Oberbürgermeister Werner Spec seinem Gemeinderat über die Vorbereitung einer Kooperationsrahmenvereinbarung mit der Telekom unterrichtet. Demnach wird die sich auf die Räume konzentrieren, die von den Stadtwerken nicht bearbeitet werden. In wenigen Wochen ist die Vereinbarung unterschriftsreif. Außerdem wurde der Stadt Ludwigsburg laut Spec ein „Gastsitz“ im Aufsichtsrat der Gigabit Region Stuttgart GmbH zugesagt.

Kooperationsabkommen mit der Deutschen Telekom

Mit der Absichtserklärung, dass sich Stadtwerke und Telekom nicht gegenseitig ins Gehege kommen, war für Ludwigsburg und Kornwestheim der Weg frei, noch vor der ersten Versammlung am Donnerstag Mitglied des Zweckverbands zu werden. Die Kommunalvertreter wählten in der Sitzung im Kreishaus Landrat Haas zum KBL-Verbandsvorsitzenden. Stellvertreter wurde Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath. KBL-Geschäftsführer ist Victor Kostic.

Laut dem Breitbandatlas des Bundes sind im Landkreis Ludwigsburg noch einige Flächen mit einer schlechten Abdeckung. Dazu gehören besonders Sersheim, Hohenhaslach, westliche Teile von Bietigheim-Bissingen sowie der Süden von Sachsenheim und der Ortsteil Ochsenbach. Teile von Besigheim und Bönnigheim sind ebenfalls noch unterversorgt.

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Landkreis Ludwigsburg investiert in Burg Lichtenberg

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 29.01.2019

Er wolle gewiss nicht Burgherr werden, hat der Landrat dem Tagesordnungspunkt vorsorglich vorausgeschickt. In seinem letzten Amtsjahr könnte Rainer Haas aber zumindest noch ein Burgvogt, also Verwalter, werden. In der jüngsten Kreistagssitzung ist heftig darüber debattiert worden, ob sich der Landkreis mit 300 000 Euro an einer Stiftung beteiligen soll, die die Burg Lichtenberg vor einem Privatverkauf retten könnte. Nach einem längeren Hin und Her stimmten am Freitag 56 Kreistagsmitglieder für eine Beteiligung, 24 waren dagegen und neun enthielten sich.

Die Mittelalterburg liegt auf der Gemarkung Oberstenfeld. Der dortige Gemeinderat hatte einen Tag zuvor ebenfalls mit sich gerungen, aber dann doch die Bereitschaft erklärt, trotz enger Finanzlage der Kommune, 175 000 Euro in die Stiftung einzubringen. Die Gemeinde erhofft sich mehr Tagesgäste, wenn die Burg einen Pächter bekommt, der die Räumlichkeiten die ganze Woche zugänglich macht und nicht nur an den Wochenenden oder bei Abwesenheit des Burgherren. Dritter im Stiftungsbund wird die Kreissparkasse (KSK) mit zwei Millionen Euro aus ihrem Fonds Kunst, Kultur und Bildung. Die drei Kastellane (Burgaufseher) in dem zu bildenden Stiftungsrat werden der Landrat, der Bürgermeister und ein KSK-Vorstand.

„Sie ist die am besten erhaltene Stauferburg nördlich der Alpen.“

Landrat Rainer haas

Ein Burgführer hätte die historische Bedeutung des 800 Jahre alten Stiftungsgegenstands nicht besser veranschaulichen können: „Die Burg Lichtenberg ist etwas ganz Besonderes“, schwärmte der Landrat seinen Kreistagsmitgliedern vor. „Sie ist die am besten erhaltene Stauferburg nördlich der Alpen.“ Haas bettete seine Begründung in beachtliches Geschichtswissen ein, garniert mit lateinischen Zitaten. Graf Eberhard im Bart, somit niemand geringerer als der Stammvater Württembergs, habe 1483 die Burg als Lehen an die Familie von und zu Weiler übergeben. Dietrich von Weiler war damals Landhofmeister. Unter anderem kam es unter seiner Federführung zur Gründung der Universität Tübingen.

Seine Nachfahren wohnen 500 Jahre später immer noch in der Burg. Baron Dietrich Burkhardt von und zu Weiler ist inzwischen 87 Jahre alt. Burgherr zu sein, wird für ihn altersbedingt zu einer wachsenden Belastung. Um den Unterhalt zu finanzieren, können der Rittersaal, die Burgkappelle, eine Galerie und der Burghof von Firmen und Privatpersonen angemietet werden. Auf der Internetseite wird ein Rundumservice versprochen („Sie feiern – Wir kümmern uns um den Rest“). Seine Kinder wollten die Aufgabe zu seinem Bedauern nicht übernehmen, so von und zu Weiler. An eine Privatperson wolle er ungern verkaufen, erst recht nicht an einen russischen Oligarchen. So schilderte der Landrat dem Kreistag die Vorgeschichte zum Tagesordnungspunkt. Haas unterlief dabei aber ein taktischer Fehler. Er berichtete, dass er mit dem Burgherrn schon seit sechs Jahren immer mal wieder darüber gesprochen habe, wie es mit dem Anwesen weitergehen solle.

Kritik an später Information

Prompt erwiderte CDU-Kreisrat Klaus Herrmann, dass über diesen langen Zeitraum „der eine oder andere Hinweis vom Landrat nett gewesen wäre“. So aber sei der Kreistag vom Vorschlag einigermaßen überrascht worden. Ohne die Burg in Augenschein genommen zu haben, könne er nicht beurteilen, in welchem Zustand diese sei und ob zu einem späteren Zustand nicht weitere Finanzspritzen notwendig würden. So eindrucksvoll die Burg auch sei – „im Landkreis gibt es noch andere Juwelen.“

Ähnlich argumentierte die SPD: Jürgen Kessing sprach angesichts einer fehlenden Vorberatung, magerer Datenlage sowie der Erwartung, dass der Kreistag dennoch zustimme, von einem „sportlichen Akt, den man vom Gremium erwartet“. Eigentlich sei das Land gefordert. Er fürchte „ein Fass ohne Boden“. Um ihn und weitere Kreisräte zu beruhigen, nahm der Landrat Formulierungen in die Beschlussvorlage auf. Die sollen sicherstellen, dass über die 300 000 Euro hinaus der Landkreis keine finanzielle Verantwortung übernimmt.

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Vorbild für Ludwigsburg: Schnellbusse in Straßburg: Foto: Stadt Ludwigsburg

ÖPNV-Plan vom Kreistag beschlossen, Unmut bleibt

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 28.01.2019

Der Kreistag von Ludwigsburg ist der Empfehlung des Technikausschusses gefolgt und hat erwartungsgemäß den Weg für eine Stadtbahn sowie ein BRT-System freigemacht. Der Beschluss, in die konkreten Planungen einzusteigen, fiel am Freitag mit lediglich einer Gegenstimme.

Doch wie bereits im Ausschuss am Montag, 14. Januar, war im Kreistag in der Aussprache keine Begeisterung darüber zu spüren, die lang verhandelte Doppelstrategie endlich in trockenen Tüchern zu haben. Noch Ende vergangenen Jahres war keine Einigung zwischen Stadt und Landkreis Ludwigsburg in Sicht. Insbesondere die Zusagen des Landkreises, sich an der Finanzierung der Schnellbusse und separater Spuren zur Busbeschleunigung zu beteiligen, stießen einigen Kreistagsmitgliedern bitter auf. Zumal ihnen für die Anschaffung der Schnellbusse (BRT) keine Kostenplanung seitens der Stadt Ludwigsburg vorliegt. Der BRT, den es bislang nur in einer Hybridversion gibt, unterscheidet sich vom normalen Linienbus vor allem durch seine Länge von 24 Metern. Ein Gelenkbus ist maximal 19 Meter lang.

Unbekannte Kostenhöhe

Jürgen Kessing, SPD-Fraktionsvorsitzender und Oberbürgermeister Bietigheim-Bissingens, hatte mit Ja gestimmt und trat dennoch hörbar verärgert ans Rednerpult, „um dem Grummeln eine Formulierung zu geben“, wie er ankündigte. „Wir wissen nicht, über welche Höhen von Kosten wir reden“, kritisierte er und meinte damit nicht allein den BRT, sondern ebenso die Stadtbahnplanung. Die Machbarkeitsstudie hält er für zu alt, um sich ein Bild der notwendigen Investitionen machen zu können. Auch bezweifelt er, dass am Ende die Förderung des Bundes und des Landes bei den angekündigten 80 Prozent ausfällt. 50 bis 60 Prozent hält er für realistisch. Er jedenfalls habe erwartet, „dass konkrete Beträge genannt werden“.

Kessing kündigte an, dass das kommunale Busunternehmen der Stadt Bietigheim-Bissingen vorhabe, „auf ein elektrisches System umzustellen“, wie er es formulierte. Dazu werde die Stadt zeitnah einen Förderantrag stellen – verbunden mit der Erwartung, dass sich der Landkreis sowohl an der Anschaffung des Busmaterials als auch an den Betriebskosten zur Hälfte beteiligen werde. So, wie es mit dem Kreistagsbeschluss der Stadt Ludwigsburg zugesagt worden sei. Kessing zeigte sich überzeugt, dass mit diesem Beschluss weitere Kreiskommunen mit entsprechenden Anträgen folgen werden.

Landrat bleibt entspannt

Landrat Rainer Haas reagierte entspannt und sagte, dass es selbstverständlich jeder der 39 Städte und Gemeinden im Kreis Ludwigsburg offen stehe, dem Beispiel der Stadt Ludwigsburg zu folgen. Die Beschlussvorlage sei „kein Lex Ludwigsburg“, als auf die Stadt zugeschnittene Vereinbarung, betonte er erneut. Dass der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) für den Landkreis teuer werde, sei für ihn keine Frage.

„Zentrales Ziel ist, die Mobilität im Kreis zu verbessern“, ergänzte der Landrat. Landkreise wie Esslingen oder Böblingen übernähmen die Finanzierung schon „seit Jahrzehnten“ zu 100 Prozent. Die Aufteilung der Kosten zwischen Kreis und den Kommunen habe sich als sinnvoll erwiesen, da ausschließlich solche Projekte realisiert würden, die diese auch für notwendig erachteten.

Die Zusage einer Kostenbeteiligung am Schnellbus-System sei im Übrigen kein Freibrief für Ludwigsburg. Investitionen könnten nur mit Genehmigung des Verkehrsministeriums gemacht werden unter dem Vorsatz, dass der BRT nicht die Förderfähigkeit der Niederflurbahn beeinträchtige. „Wir werden uns jedes Mal grünes Licht vom Ministerium geben lassen“, versicherte Haas. Dass mit dem Beschluss nun eine stabile Harmonie eintritt, davon gehen die Kreisräte nicht aus. CDU-Rat Hans Schmid sagte: „Wir brauchen die Solidarität aller Städte und Gemeinden im Landkreis.“

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Landrat Rainer Haas, Kreisvorsitzender der Europa Union, und CDU-Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum. Foto: Uwe Roth

Landrat Haas hört zum Jahresende auf

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 26.01.2019

Landrat Dr. Rainer Haas wird zum Jahresende sein Amt abgeben. Am Freitagabend hat der 62-Jährige dem Kreistag seine Entscheidung mitgeteilt, dass er für eine vierte Amtszeit nicht zur Verfügung stehen werde.

Haas war im November 1995 erstmals vom damaligen Kreistag zum Landrat gewählt worden. 2003 und 2011 ist er mit jeweils großer Mehrheit (83,5 und 84,3 Prozent) in seinem Amt bestätigt worden. Haas betonte, er sei nicht amtsmüde und „bei guter Gesundheit“.

Keine leichte Entscheidung

Die Entscheidung, mit 63 Jahren aufzuhören, sei ihm nicht leicht gefallen. Er ließ anklingen, dass er nicht in den klassischen Ruhestand gehen werde. Von Januar 2020 an, so seine Ansage, „werde ich mich nicht in den Liegestuhl legen“. Er habe noch „andere Dinge vor“, umschrieb er seine Zukunftspläne, ohne jedoch näher darauf eingehen zu wollen. „Ein paar Sachen habe ich schon im Kopf“, was wohl heißen soll, dass er bereits Konkretes vorhat. Der Zeit danach sehe er jedenfalls „mit Freude und Gelassenheit entgegen“.

Haas bekannte, dass er zuerst durchaus mit einer Kandidatur für eine weitere Amtszeit geliebäugelt habe. Im Gespräch mit der BZ im Dezember erklärte er, dass er das Geheimnis einer neuen Kandidatur im neuen Jahr lüften werde. Er hielt Wort und begründet seine Entscheidung damit, dass ihm die Vorstellung nicht behagt habe, weitere acht Jahre weiterzumachen, um sich dann mit 71 Jahren zu Ruhe zu setzen. Ein Landrat im Landkreis Ludwigsburg dürfe nicht mit einer „Acht-Zehntel-Kraft“ präsent sein, sondern müsse immer mit „voller Kraft arbeiten“. Das versprach er seinen Kreisräten, bis Ende des Jahres auch noch zu tun. Aber dann sei es mal Zeit „für ein neues Gesicht“ und für einen Nachfolger, der „neue Akzente setzt“. Die Kreisräte dankten ihm mit langem Applaus.

Rainer Haas ist im August 1956 in Gerlingen geboren und studierter Rechtswissenschaftler mit Promotion. Seine Verwaltungslaufbahn begann er 1984 im Landratsamt des Ostalbkreises. Nach einer zweijährigen Zwischenstation als Verwaltungsrichter in Stuttgart ging er als Beamter ins Innenministerium. Bevor der zweifache Vater nach Ludwigsburg kam, war er vier Jahre Erster Landesbeamter im Rems-Murr-Kreis.

Info Am 4. Januar 2020 endet Dr. Rainer Haas letzte Amtszeit. 24 Jahre lang war er dann Landrat des Landkreises Ludwigsburg. Ein Nachfolger soll Ende November gewählt werden.

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Bahnstadt Ludwigsburg abgelehnt

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 25.01.2019

Grünen-Fraktionschef Michael Vierling hat die Vision eines Ökoquartiers ohne Autoverkehr und mit begrünten Fassaden auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Das liegt an der westlichen Seite des Bahndamms Richtung Kornwestheim. Teilweise liegt es brach, oder es parken dort Autos und Busse. Entstehen könnte nach seinen Vorstellungen ein „urbanes Gebiet Bahnstadt Ludwigsburg“, Wohnraum für etwa 1000 Menschen. Arbeiten und Wohnen sollten nahe beieinander liegen. Vierling spricht von „Co-working“ und „Co-parking“.

Ein Jahr Aufschub

Der Antrag, darüber im Gemeinderat nachzudenken, lag ein Jahr unbearbeitet im Rathaus. Am Mittwoch war er endlich auf der Tagesordnung des Bauausschusses und wurde prompt ohne längere Diskussion mit großer Mehrheit abgeschmettert. Ja-Stimmen gab es lediglich von den drei Grünen-Räte im Ausschuss. Auch Oberbürgermeister Werner Spec war dagegen.

Die Begründungen zum Nein waren unterschiedlich: Der OB hält das Gelände nicht mit dem in Heidelberg vergleichbar. Dort ist die Bahnstadt inzwischen Realität geworden und Teil der Internationalen Bauausstellung (IBA). In Ludwigsburg habe das ehemalige Bahngelände inzwischen mehrere Eigentümer, darunter ein Autohausbetreiber und die Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL). Ob die zum Verkauf bereit seien, bezweifelte er und bekannte: „Die Verwaltung tut sich mit dem Antrag noch schwer.“

CDU-Rat Reinhold Noz wurde deutlicher: „Das Gelände ist wichtig für das Gewerbe. Wohnen ist dort nicht sinnvoll.“ Die Verwaltung solle sich „keine unnütze Arbeit“ machen. Dieter Juranek von der SPD schlug vor, das Gelände als künftiges Betriebsgelände für die Stadtbahn und die BRT-Schnellbusse vorrätig zu halten. Zusammen zeigten sich die Gegner des Grünen-Antrags überzeugt, dass die Stadt genügend Baustellen habe und keine weitere brauche. Das Gelände ist Teil der Südstadt. Auf dem wird es nach diesem Beschluss in nächster Zeit zu keiner Neugestaltung kommen. Auf der anderen Seite des Bahndamms hingegen kommt einiges in Gang.

Dort ist im vergangenen Jahr ein Prozess zur Stadtteilentwicklung in Gang gekommen, der sich in diesem Jahr fortsetzen wird. Dafür hat der Bauausschuss einstimmig 100 000 Euro für eine Stuttgarter Fachagentur genehmigt. Die Südstadt ist von der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik lange nicht beachtet worden. Darüber war man sich in der Sitzung einig. Zwei Umständen ist es zu verdanken, dass sich nun das Bürgerbüro Bauen um die Belange der Bewohner in diesem Quartier kümmert: In einer Veranstaltung im Dezember 2017 machten die Bewohner der Stadtverwaltung sehr deutlich, dass sie mit der Wohn- und Parksituation sehr unzufrieden seien und sich von der Stadt im Stich gelassen fühlten (die BZ berichtete). Zum anderen hat die Wüstenrot & Württembergische AG (W&W) am südlichen Stadtrand den Ausbau ihres Firmensitzes abgeschlossen. Mehrere Hundert Arbeitsplätze sind von Stuttgart nach Ludwigsburg verlegt worden.

Mehr Verkehr in der Südstadt

Das bringt mehr Verkehr in die Südstadt und vergrößert die bereits vorhandene Parkplatznot. Nun stellen die Planer Überlegungen an, wie man die Autos der W&W-Mitarbeiter möglichst aus der Stadt halten kann.

„Die Geschäftsleitung ist zu einer größtmöglichen Zusammenarbeit bereit. Die Gespräche verlaufen sehr gut“, versicherte der Oberbürgermeister. In der Zwischenzeit habe sich das Unternehmen entschieden, das Hochhaus nicht abzureißen. Insgesamt biete die alte Bebauung des Konzerns viele neue Nutzungsmöglichkeiten. Auch Einzelhandelsgeschäfte könnten sich dort ansiedeln. Entschieden sei noch nichts. In das Konzept zur Quartiersentwicklung hat das Bürgerbüro bereits die Anwohner einbezogen. 2018 gab es einen Runden Tisch, einen Stadtteilspaziergang und einen Beteiligungsworkshop.

In diesem Jahr wird es eine Fortsetzung geben. In einer Sache haben die Anwohner ihr Ziel erreicht: Wohngebäude zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingen werden wohl nicht gebaut. Stattdessen plant die Stadt den Bau eines Familienzentrums.

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Foto: Uwe Roth

CMT: Radtourismus ist der Renner

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 14.01.2019

Tagesausflügler und Radreisende lassen den Tourismus im Landkreis Ludwigsburg wachsen. Auf der Urlaubsmesse CMT, die am Samstag in der Landesmesse am Stuttgarter Flughafen begonnen hat, werben die Kommunen kräftig um solche Kurzzeitgäste. In der Gastronomie und Hotellerie gehören eine Lademöglichkeit fürs Pedelec inzwischen zu einem selbstverständlichen Service wie freies W-Lan.

Für den Tagestourismus ist ein Anschluss an einen regionalen Radwanderweg von ebenso großer Bedeutung geworden wie eine Haltestelle im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS). Ins 3B-Land kommen Gäste zudem über den Karlsruher Verkehrsverbund (KVV). Erneut haben die 3B-Kommunen Bietigheim-Bissingen, Bönnigheim und Besigheim in der Baden-Württemberg-Halle 6 einen Gemeinschaftsstand zusammen mit dem Kraichgau-Stromberg Tourismus und der Stadt Bruchsal. Eigentlich müsste es jetzt 3B-und-F-Land heißen: Freudental hat sich zum Jahresbeginn der Tourismus-Kooperation angeschlossen.

Das 3B-Tourismus-Team wird von Eric Reiter geleitet. Er ist am Eröffnungstag ebenfalls am Stand und stellt fest, dass vermehrt Tagestouristen aus ganz Baden-Württemberg das Gebiet an Enz und Neckar ansteuern. Die kommen immer öfter auf zwei Rädern statt mit dem Auto. „Radfahren ist wahnsinnig angesagt“, sagt der Tourismuschef. Besigheim profitiere wegen der Kreuzung zweier Landesradfernwege sowie seiner exponierten Lage besonders. Abseits der Flusstäler nimmt der Radtourismus ebenfalls zu. Der Elektroantrieb bringt ältere Radfahrer in höhere Lagen, die sie zuvor mit einem konventionellen Rad oder zu Fuß nie erreicht hätten. So profitieren nach seiner Beobachtung Freudental und Bönnigheim ebenfalls vom Boom der Tagesausflügler.

1000 Schnäpsle am Tag

In Bönnigheim können sie zum Beispiel das Schnapsmuseum besuchen. Was es dort zu probieren gibt, zeigt Museumsleiter Kurt Sartorius am Samstag: Acht verschiedene Schnäpse und Liköre hat er zum Stand gebracht. Etwa 1000 Proben, so schätzt er, gehen über den Tag weg. Der Renner sei ein Pflaumen-Sahne-Likör, der allein wegen seiner knallpinken Farbe die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Dass Erlebnisangebote Touristen anziehen, weiß man auch in der Stadt Vaihingen. Dort sind Stocherkahnfahrten „der absolute Renner“, wie Isolde Dürr vom Kultur- und Touristikbüro sagt. Solche Touren auf der Enz bringen ganze Gruppen in die Stadt – sehr zur Freude der Gastronomie. Die Tourismusmanagerin hat zum ersten CMT-Tag die Bonbonfabrik Jung „mitgebracht“. Dass es ein Bonbonmuseum gibt, macht die Stadt für Familien attraktiv, deren Kinder kein so großes Interesse an der Erkundung der historischen Altstadt haben.

Da hat es der Erlebnispark Tripsdrill einfacher. Er ist traditionell ebenfalls mit einem kleinen Stand auf der Messe vertreten. Wenn der Park am 6. April Saisoneröffnung hat, wird es einen neuen Erlebnisspielplatz geben. „Er wird eine Größe von 1400 Quadratmetern haben und ein Angebot auch für kleinere Kinder sein“, sagt Alexander Portmann vom Marketing. Auf der CMT zieht ein Glücksrad die Besucher an. So muss sich Tripsdrill neben dem großen Baden-Württemberg-Freizeitpark Rust nicht verstecken.

Die Stadt Ludwigsburg hat es etwas schwerer, Messebesucher auf ihren Stand aufmerksam zu machen. Blickfang ist erwartungsgemäß das Barockschloss. Doch das wird schon kräftig und großflächig am Stand der Schlösser und Gärten beworben. Sabine Lein und ihre Kollegin Tabea Müller vom Stadtmarketing werben besonders für die Stadtführungen. Neu ist die Stadtführerin Fräulein Henriette, die viel über die Geschichte der Bärenwiese zu erzählen hat. Neu ist ebenfalls eine kombinierte Führung durchs Schloss und durch die Innenstadt. Die B27 ist das größte Hindernis zwischen den beiden Barockattraktionen. Ein solches Angebot könnte helfen, die Gäste nach einem Besuch des Blühenden Barocks auf den Marktplatz zu locken. Ein neues Tourismuskonzept, das die Blicke der Tagestouristen verstärkt auf die Innenstadt lenken möchte, will die Stadt Ende des Monats vorstellen.

Die Urlaubsmesse CMT findet in diesem Jahr vom 12. bis 20. Januar auf dem Stuttgarter Messegelände statt und ist für die Besucher wochentags von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende von 9 bis 18 Uhr, geöffnet.

In den kommenden Tagen werden noch weitere Repräsentanten am 3B-Stand anzutreffen sein. Die Weingärtnergenossenschaft Stromberg-Zabergäu wird am 17. und 18. Januar vor Ort sein, die Felsengartenkellerei Besigheim am 19. und 20., das Bietigheim-Bissinger Weingut Stephan Muck am 14. sowie die Weinkellerei Kölle aus Bönnigheim am 15. und 16. Januar.

Die Stadt Sachsenheim wir sich am Sonntag, 20. Januar, in der Halle 6 (Oskar-Lapp-Halle) am Stand 6F36 des Kraichgau Stromberg Tourismus (KST) präsentieren. Die Stadt wird in diesem Jahr repräsentiert durch die Weinbaubetriebe Keller aus Hohenhaslach und Vollmer aus Spielberg. bz/uro

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ÖPNV: Beschluss ohne Gegenstimmen

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 10.01.2019

Zahllose Sitzungsstunden mit zeitweise heftigen und zermürbenden Diskussionen um den besten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für die Stadt liegen hinter den Ludwigsburger Gemeinderäten.

Nun ist am Dienstag in einer Sondersitzung des Bauausschusses ein entscheidender Beschluss in völlig harmonischer Stimmung und ohne Gegenstimme über die Bühne gegangen: Die Stadt wird gemeinsam mit dem Landkreis in die konkrete Planung für eine Niederflurbahn sowie ein BRT-System einsteigen. Dafür ist in letzter Minute ein Beschlussvorschlag erarbeitet worden, der inhaltsgleich am Montag in den Umwelt- und Technikausschuss des Kreistags eingebracht wird (die BZ berichtete). Da die Kreistagsfraktionen in die internen Vorberatungen der Gemeinderäte einbezogen waren, wird damit gerechnet, dass das Kreisgremium der Vorlage ebenfalls zustimmen wird.

Danach wäre tatsächlich der Weg frei, dass sowohl der Gemeinderat als auch der Kreistag in ihren nächsten Sitzungen einen Schlusspunkt hinter die 20 Jahre dauernden Vorberatungen setzen können.

Zahlreiche Bürger anwesend

In dem vergleichsweise kleinen Sitzungsaal im Rathaus, in dem zahlreiche Bürger die entscheidende Abstimmung verfolgten, herrschte eine geradezu feierliche Stimmung. Es fielen die gängigen Begriffe, die die Tragweite eines Ereignisses unterstreichen sollten: Vom Gordischen Knoten, der nun gelöst sei, war in der Stellungnahme des Grünen-Ratsmitglieds Armin Haller die Rede. Der Meilenstein, der nun erreicht sei, wurde mehrmals von den Rednern bemüht.

Konfrontation wird zu Einigung

Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec sah „die historische Chance für Ludwigsburg“. Die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins schien nicht so recht zu glauben, was in den wenigen Tagen zwischen totaler Konfrontation mit dem Landkreis und der jetzigen Einigung passiert ist: „Die abgestimmten Vorlagen sind eine tolle Sache. Vor Jahresende habe ich mir nicht vorstellen können, dass es dazu kommt“, sagte sie.

Liepins zeigte sich gleichzeitig überzeugt, dass es weiterhin „heftige Diskussionen geben wird“. Auch in den Beiträgen der anderen Fraktionen klang bei genauerem Hinhören Skepsis an. Grünen-Politiker Haller wollte dem OB sogar ein Versprechen abringen, dass dieser „die Stadtbahn aktiv unterstützen wird“. Spec gilt bei den Grünen und der SPD als klammheimlicher Kritiker einer Schienenlösung für die Stadt. „Betrachten Sie uns Grüne nicht als Gegner“, beschwor Haller den Rathauschef. So lange Spec sich an die Absprachen halte, könne er sich auf die Grünen verlassen.

CDU-Fraktionschef Klaus Herrmann, der zugleich Kreistagsmitglied ist, deutete an, dass mit dem Beschluss beim Landkreis längst nicht alles in trockenen Tücher sei: „Der Kreis tritt in die Planung ein – nicht mehr und nicht weniger“, äußerte er sich in der Ausschusssitzung am Dienstagabend. Auch bei den Kosten werde die CDU den Verantwortlichen in den Verwaltungen genau auf die Finger schauen, kündigte Herrmann an, und „gegebenenfalls gegensteuern“. Die Verdoppelung der Kosten für die Strohgäubahn auf über 50 Millionen Euro sei ein warnendes Beispiel.

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Arsenalplatz: Nicht genug Fläche für Parken und ÖPNV

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 19.12.2018

Der Arsenalplatz in Ludwigsburg ist ein geschichtsträchtiges Pflaster. Wo vor etwas mehr als 100 Jahren Kanonen standen und Soldaten in Habachtstellung auf dem harten Pflaster auf den Abtransport zu ihrem Kriegseinsatz warteten, parken heute Autos in Reihe und Glied. Die Stadtverwaltung möchte bereits seit fünf Jahren im Rahmen ihrer Pläne zur weiteren Entwicklung der Innenstadt aus dem öffentlichen Parkraum einen Park machen – zumindest eine kleine Grünanlage. Das wäre in der Innenstadt dann der zweite grüne Flecken.

Die Grünen im Gemeinderat finden das erwartungsgemäß gut. Die übrigen Fraktionen können sich einen autofreien Arsenalplatz dagegen nicht vorstellen – zumindest derzeit noch nicht. Deswegen hat Oberbürgermeister Werner Spec seinen ursprünglichen Plan aufgegeben und der bürgerlichen Mehrheit im Gemeinderat einen Kompromiss angeboten: Die Autos sollen in zwei Schritten von der Fläche zwischen der Arsenalstraße und dem Staatsarchiv verschwinden. 40 Prozent der Parkplätze sollen erst einmal erhalten bleiben. Damit könnten dort an manchen Tagen weiterhin Veranstaltungen wie Outdoor-Messen oder das Naturvision Filmfestival stattfinden. „In absehbarer Zeit“, so Baubürgermeister Michael Ilk, soll das Areal aber endgültig und für immer autofrei werden.

Außer den Grünen begrüßt eine Mehrheit im Gemeinderat den Umgestaltungsprozess in zwei Etappen. Wie dieser Prozess vonstattengehen könnte, will die Verwaltung der Phantasie von Stadtplanern überlassen. Im Frühjahr wird laut Ilk ein Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben. Bis Jahresende können Planer ihre Ideen beim Rathaus einreichen. Der Baubürgermeister ist nach eigener Aussage selbst gespannt, welche Lösungsvorschläge präsentiert werden. Denn die Planer haben zu berücksichtigen, dass durch die Wilhelm- und Arsenalstraße eine Trasse für den BRT und später für die Niederflurbahn führen soll, die eine Zufahrt für Autos auf den Arsenalplatz unmöglich machen könnte.

„Am besten wäre es, die Arsenalstraße für Autos zu sperren. Viele Autofahrer wollen gar nicht in die Innenstadt, sondern nutzen die Schiller-, Arsenal- und Wilhelmstraße nur als Abkürzung zur B 27. Aber eine Sperrung ist politisch nicht durchsetzbar“, ahnt Ilk. Vor dem Jahr 2021/22 dürfte mit einer Fertigstellung des ersten Planungsabschnitts jedoch nicht zu rechnen sein.

Debatte wie beim Marktplatz

Der Streit um den autofreien Arsenalplatz erinnert an gleiche kontroverse Debatten im Gemeinderat vor 30 Jahren über die Neugestaltung des Marktplatzes. Der war bis 1992 vom Autoblech bedeckt. Der Brunnen in der Mitte stand einsam auf der Zufahrts- und Ausgangsstraße des öffentlichen Parkplatzes. Dass dort an selber Stelle einmal Eltern auf Stühle sitzend und mit einer Eistüte in der Hand ihren Kindern beim Spielen zuschauen können, war damals unvorstellbar. Heute ist der Platz neben dem Schloss die wichtigste Adresse für Touristen. Gegner hatten in den 1980er-Jahren argumentiert, die Parkplätze müssten zum Schutz des Einzelhandels bleiben. Außerdem drohe ansonsten ein Abwandern der Kundschaft ins Breuningerland.

Die Argumente von CDU und Freien Wählern sind bis heute so geblieben. Den Bürgern dürfe das Einkaufen mit dem Auto nicht vermiest werden, sagen sie. Ihr erster Kompromissvorschlag war, die Parkflächen unter die Erde zu verlegen. Dann könnte darüber eine Grünfläche wachsen. Finanziell und organisatorisch sei dies schwer umsetzbar, hielt die Verwaltung dagegen. Gleichzeitig präsentierte sie Bauwünsche der Kreissparkasse. Die wird in der Nachbarschaft ihren Stammsitz erweitern und unter anderem eine dreigeschossige Tiefgarage bauen. Ein Teil soll öffentlich zugänglich sein. Mit diesem Angebot würden auf dem Arsenalplatz wegfallende Parkplätze kompensiert, sagt Ilk.

Von einigen Gemeinderäten wird gesagt, sie kämpften um den Erhalt der Parkfläche, um sich letztendlich gegen den BRT und eine Niederflurbahn zu stellen. Denn, wie die Straßen rund um den Arsenalplatz, den Autoverkehr und zusätzlich einen BRT oder eine Niederflurbahn verkraften sollen, ist im Gemeinderat nicht ausdiskutiert. Verkehrsplaner Volker Deutsch vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, der kürzlich in einer Veranstaltung der Stadt einen Vortrag zum BRT hielt, machte deutlich, dass im Straßenraum kein gemeinsamer Platz ist für Verkehr, Parken und ÖPNV-Trassen.

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Stadtticket-Erfolg weckt Interesse weiterer Gemeinden

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 18.12.2019

Ein günstiges Stadtticket wie in Ludwigsburg könnte den Bürgern in Bietigheim-Bissingen ebenso gefallen. Im Workshop der Stadt zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor zwei Wochen hätten Teilnehmer den Wunsch nach einer Flatrate fürs Busfahren geäußert, heißt es aus dem Rathaus. Tatsächlich scheint das für einen Tag gültige Stadtticket, das in der Kreisstadt nach langer und zäher Diskussion im August eingeführt worden war, zu einem Erfolg zu werden.

Nach Angaben des VVS ist das Ludwigsburg-Ticket zwischen August und September rund 70 000 Mal verkauft worden. Das sei beachtlich, da diese Ferienmonate gewesen seien und zudem wenig Werbung für den neuen Tarif gemacht worden sei. Im Zeitraum von August bis Oktober hätten die Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Fahrgastzuwachs von elf Prozent verzeichnet. Etwa 45 000 zusätzliche Fahrgäste seien seither gezählt worden. Das wird vor allem auf die Preissenkung für Stadtfahrten zurückgeführt.

Zuschuss über 700.000 Euro

Die SPD-Fraktion im Ludwigsburger Gemeinderat, auf deren Initiative die Einführung zurückgeht, hatte ursprünglich ein Ein-Euro-Ticket gefordert. Daraus sind drei Euro geworden. Das Gruppenticket für bis zu fünf Personen kostet jetzt sechs statt wie vor der Einführung 12,30 Euro. Bislang hält es einen Anteil von fünf Prozent am Stadtticket-Verkauf. Die Vermarktung wird über den VVS gesteuert.

Zwar ist das Ticket am Automaten und ebenso über die VVS-App erhältlich, doch fast alle Fahrscheine werden direkt beim Busfahrer gekauft, beobachtet man beim VVS. Da der Verkauf trotz der Fahrgastzuwächse nicht kostendeckend ist, schießt die Stadt im kommenden Jahr laut ihrem Haushaltsplan bis zu 700 000 Euro zu.

Die Gestaltung des Stadttickets hat sich inzwischen zum Ludwigsburger Modell entwickelt, das immer mehr Interessenten findet. VVS-Geschäftsführer Horst Stammler stellt fest: „Es gibt inzwischen viele Städte in der Region, die für ihre Gemarkung einen eigenen Stadttarif anbieten und ihren innerstädtischen Busverkehr für ihre Bürger noch attraktiver machen wollen. Wir finden das gut.“

Ziel: Autoverkehr reduzieren

Dadurch werde zum einen der Autoverkehr auf den meist stark befahrenen Straßen reduziert. Zum anderen entlasteten Tagestickets den Busfahrer beim Verkauf. Die Schlangen würden kürzer, und der Bus könne pünktlicher weiterfahren. „Künftige Stadttickets sollten nach demselben Muster wie Ludwigsburg gestaltet werden“, bekräftigt Stammler nach den Erfahrungen der vergangenen fünf Monate.

Im Landkreis Ludwigsburg besteht nach Kenntnissen des VVS neben Bietigheim-Bissingen unter anderem in Besigheim, Kornwestheim und Remseck Interesse an einem solchen Tarif. In Bietigheim-Bissingen, wo die SPD-Gemeinderatsfraktion im Jahr 2015 einen ersten Antrag für die Einführung eines solchen Tickets – erst einmal ohne Erfolg – gestellt hat, ist nun wieder der Gemeinderat am Zug, wie die Rathaussprecherin mitteilt. Der müsse nach den Workshops und der Aufbereitung aller Ideen durch die Experten entscheiden, was konkret unternommen werde. Dazu zähle eine Entscheidung über „ein wie auch immer geartetes Stadtticket“. Außer Ludwigsburg gebe es in Reutlingen das 365 Euro-Jahresticket. Diese Modellprojekte seien zeitlich begrenzt und stünden seitens der Stadt unter Beobachtung. „Wir führen mit dem VVS Gespräche, was solche Modelle in Bietigheim-Bissingen kosten würden“, heißt es im dortigen Rathaus.

Um eine Entscheidung treffen zu können, sei es ausschlaggebend, die Höhe der Zuschüsse aus dem Haushalt zu kennen. Das werde parallel zu den Beratungen des Verkehrsentwicklungsplans 2030 (VEP) vorbereitet, sagt die Rathaussprecherin.

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Abschied Johannes-Christoph von Bühler in Ludwigsburg

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 17.12.2018

Johannes-Christoph von Bühler ist am Sonntag mit einem Gottesdienst in der Ludwigsburger Friedenskirche in den Ruhestand verabschiedet worden. Der evangelische Theologe war 15 Jahre als Schuldekan für die Kirchenbezirke Ludwigsburg und Besigheim zuständig. Sein Betreuungsbereich reichte von Kornwestheim im Süden bis Lauffen ganz im Norden.

Hunderte angehender Religionslehrer hat er in den Beruf begleitet. Er hielt mit viel Zeitaufwand die Fäden zwischen seiner Kirche und der Staatlichen Schule zusammen. „Ich war so gerne Schuldekan“, bekennt er vor seinem Ruhestand, der offiziell erst im März beginnt. „Schuldekan ist ein fantastischer Beruf.“ In diesem Amt habe er „relativ viele Freiheiten“ gehabt. Und er bekräftigt: „Ich würde es glatt noch einmal machen.“

Schüler im Mittelpunkt

In seiner Zeit lag ein grundlegender Wandel in der Gestaltung des Unterrichts: Im Mittelpunkt steht nicht mehr der Lehrstoff, sondern die Kompetenz des Schülers. „Wir haben eine Menge pädagogischen Raum durchschritten“, bilanziert der 65-Jährige. Früher sei der Katechismus das Maß der Dinge gewesen. Für die Schüler war das Gebot, die evangelischen Glaubensgrundsätze auswendig zu lernen. „Wie beim Nürnberger Trichter. Wissen wird oben reingestopft.“ Heute sei der Unterricht auf Kreativität angelegt: „Wir fangen schon in den Grundschulen an, mit den Kindern über schwierige Fragen zu diskutieren und sie zum selbstständigen Denken aufzufordern“, sagt er. Schüler sollen Denken lernen – beispielsweise bei der Interpretation von Geschichten aus der Bibel. „Wie schaffte es Gott, Daniel ohne Verletzungen aus der Grube des Löwen zu kommen?“, war so eine Frage an die Kinder. „Da kamen dann wilde Konstruktionen heraus. Aber das war okay.“

Von Bühler hatte selbst lange Unterricht gegeben, bevor er als Schuldekan aus der hintersten Reihe im Klassenzimmer Religionslehrer bei ihrer Arbeit beobachtete und anschließend bewertete. „Unterrichten, das war mein liebstes Ding“, sagt er noch heute. „Vor meiner Zeit als Schuldekan habe ich mit großer Freude in einer Werkrealschule unterrichtet. Da habe ich wirklich mein Herz für diese Schulart verloren.“ Seine Reli-Kinder damals in Ditzingen habe er „sehr geliebt“.

Sein Beruf sei auch nach der Zeit als Gemeindepfarrer „relativ seelsorgelastig“ geblieben, wie er sagt. Die Verwaltungsarbeit habe sich „relativ in Grenzen gehalten“. Dagegen sei er bei der Betreuung angehender Religionslehrer oftmals intensiv als Seelsorger gefragt gewesen. „Bevor junge Lehrer die Berufungsurkunde erhalten, ist ein Gespräch fällig“, erläutert er. „Sie glauben nicht, was bei diesen Gesprächen unerwartet alles auf den Tisch kommt.“

Quasi als Rektor habe er als Schuldekan 20 eigene Lehrer beaufsichtigt. Wenn er sie zum ersten Mal gesehen habe, seien sie oft noch Jugendliche gewesen, die gerade mit ihrem Studium fertig geworden seien. Sie hätten eine Begleitung in den Status eines Erwachsenen benötigt. Bis manche selbstsicher vor eine Klasse stehen konnten, habe es oftmals den „Bedarf vieler Gespräche“ gegeben.

Sechs Thesen

Zum Abschied hat Johannes-Christoph von Bühler sechs Thesen hinterlassen. Die erste lautet: „Es braucht in einer christlichen Pädagogik den Vorrang der Person in Achtsamkeit und sensibler Wahrnehmung, in Interesse und Wertschätzung.“

Ohne Vorrang der Person landeten „sowohl pädagogische Theorie als auch Erziehungsarbeit im pädagogischen Aus“. Der Religionsunterricht, so heißt es in der vierten These, könne auch abstürzen. „Wie lange wird der Religionsunterricht noch an Konfession und Bekenntnis gebunden bleiben“, stellt er sich darin die Frage.

Werteerziehung

Als Einwanderungsland benötige Deutschland eine „allgemeine und verpflichtende Werteerziehung“, fordert er und fragt: „Sollte dies in Zukunft den Religionsunterricht ersetzen?“

Die Frage, ob er vollständig aus der Kirchenarbeit steigen wird, lässt er unbeantwortet. Stattdessen erläutert er, dass seine Frau, eine ehemalige Gymnasiallehrern, bereits im Sommer in den Ruhestand gegangen sei. „Sie ist fünf Tage älter als ich.“ Mit dem gemeinsamen Pläneschmieden für die kommenden Jahre haben sie bis zu seiner Verabschiedung gewartet. „Wir haben uns darüber verständigt, dass wir uns neu erfinden wollen. Bis jetzt steht da aber noch nichts fest.“

DER SCHEIDENDE SCHULDEKAN

Dr. Johannes-Christoph von Bühler ist 1953 in Tuttlingen geboren und in einem evangelischen Pfarrhaus in Stuttgart und in Markgröningen aufgewachsen. Sein Abitur hat er 1972 am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg gemacht. Anschließend folgte ein Studium der evangelischen Theologie in Tübingen, München und Jerusalem mit Examen in Tübingen.

Das nachfolgende Studium der Erziehungswissenschaft in Tübingen endete mit einer Promotion über die Entstehung der Jugendforschung. Nach dem Vikariat war er 15 Jahre Pfarrer im Kirchenbezirk Ditzingen. Von 2003 bis 2018/19 Schuldekan in Ludwigsburg. uro

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