Die Sandkünstlerin Michela Ciappini aus Italien arbeitet im Nordgarten des Blühenden Barocks Ludwigsburg an einer Miniatur des Favoritenschlosses. Foto: Uwe Roth

Blühendes Barock Sandkunst-Festival

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Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 07.07.2017

Sechs internationale Sandkünstler präsentieren im Nordgarten ihre meterhohen Werke – passend zum Ambiente sind es barocke Motive. Von Uwe Roth

Von Samstag an gibt es Sandkunst im Blühenden Barock Ludwigsburg. Sechs internationale Sandkünstler präsentieren im Nordgarten ihre meterhohen Werke – passend zum Ambiente sind es barocke Motive. Die größte Skulptur ist ein Miniaturnachbau von Schloss Favorite, das gegenüber dem Residenzschloss liegt, derzeit wegen Restaurierungsarbeiten aber komplett umhüllt und deswegen nicht sichtbar ist.

„Ein kleiner Ersatz aus 65 Tonnen Sand“, sagte Blüba-Direktor Volker Kugel am Donnerstag bei der Pressevorstellung. Bis zur Eröffnung werden sechs Kunstwerke fertig sein. Sechs weitere Carven, wie der Fachausdruck heißt, von Künstlern aus Irland, Frankreich, Italien, Australien, den Niederlanden und der Schweiz werden in der darauffolgenden Woche erstellt. Die Besucher erhalten eine Stimmkarte, auf der sie ihren Favoriten ankreuzen können. Am Donnerstag, 13. Juli, ist um 10.30 Uhr die Siegerehrung. Die Figuren verbleiben aber bis auf unbestimmte Zeit an ihrem Standort.

350 Tonnen für die Sandkunst

Jeron van de Vlag ist Holländer, lebt in der Schweiz, ist Sandartist und zugleich der künstlerische Leiter der Schau im blühenden Barock. Er konnte erklären, warum Sandburgen am Strand ein Verfallsdatum von wenigen Stunden haben: „Der Sand dort ist uralt. Durch die Wellen sind die Körner ganz glatt geschliffen. Sie halten nur zusammen so lange der Sand feucht ist. Trocken zerfällt alles.“ Der Sand, den die Künstler im Barockgarten in Form bringen, kommt frisch aus dem Elsass und hat die optimale Konsistenz, wie der künstlerische Leiter betonte.

In der Nähe von Straßburg baut die Ludwigsburger Firma Hubele seit den 1960er-Jahren Sand aus bis zu 50 Metern Tiefe ab und transportiert ihn mit einem eigenen Schiff auf Rhein und Neckar nach Neckarweihingen. 350 Tonnen hat das Unternehmen der Blüba-Sandkunst zur Verfügung gestellt und kostenlos angeliefert. Diese Sandkörner haben Ecken und Kanten. „Wenn man sie zusammendrückt, verhaken sie sich. Sie sind dann so fest wie Sandstein der leichtesten Variante“, so van de Vlag.

Das Prinzip ist das gleiche wie beim Sandkastenförmchen, in das man mit dem Handballen das Material hineindrückt, nur in einem viel größeren Maßstab. In einer rechteckigen Holzverschalung presst eine Maschine den Sand so stark zusammen, dass das Ergebnis jahrelang haltbar und wie ein Stein zu bearbeiten ist. „Und ganz ohne Chemie“, wie Kugel versicherte. Das Reinheitsgebot lautet: Sand, Wasser und ein klein wenig Leinöl.

Info Am 30. Juli gibt es einen Sandkasten-Kunstwettbewerb. Am 6. August kann man Sandarten ertasten. Am 13. und 27. August sind Veranstaltungen geplant, bei denen sich Besucher als Sandkünstler betätigen können.

Siehe auch:

http://journalistroth.eu/stadtjubilaeum-300-jahre-ludwigsburg-wird-gross-gefeiert/

http://journalistroth.eu/stroh-olympiade-schloss-ludwigsburg/

http://journalistroth.eu/schloss-ludwigsburg-fortsetzung-des-erfolgsrezepts/