Bei der Energiewende hakt es woanders

Staatsanzeiger Uwe Roth, 12.04.2013

Es hat in der politischen Debatte etwas Laienhaftes, wenn das Gelingen der Energiewende bewusst eng mit der Entwicklung der Strompreise verknüpft wird. Die etwa 30 Cent je Kilowattstunde, die man derzeit dem Versorger bezahlt, sind zwei Jahre nach Start der Energiewende nicht das vordringlichste Problem.

Aber Strompreise sind so schön griffig und können dem politischen Gegner leicht um die Ohren gehauen werden. Die Auseinandersetzung darüber ist eine Stellvertreterdebatte, weil die eigentlichen Knackpunkte furchtbar kompliziert sind.

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist technisch komplex. Die Fallstricke auf dem Weg zu den Klimaschutzzielen sind Laien schwer verständlich zu machen. Folglich konzentriert man sich auf den Parameter Strompreisentwicklung und verunsichert damit nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Wirtschaft. Es ist tatsächlich so: Die wenigsten kennen den Grund- und Verbrauchstarif, auf den sie sich aus freien Stücken eingelassen haben. Er scheint nicht interessant zu sein. Dagegen wissen die meisten sehr wohl, wie hoch ihre Mobilfunkkosten sind und was der Zugang zum Internet kostet. Eine vierköpfige Familie zahlt im Jahr etwa 1000 Euro für den Strom, für vier Handys aber 1200 Euro. Noch mehr wird für den Sprit ausgegeben. Der Gegenwert des gelieferten Stroms ist im Übrigen beachtlich: Licht, gekühlte Lebensmittel, saubere Wäsche, ein funktionierender Computer …

Bei der Energiewende hakt es woanders. Weder die Politik, die Versorger, noch die Verbraucher sind bereit, alte Strukturen aufzugeben und sich auf Neues einzulassen. Die Leistung der Energie wird nicht ausreichend wertgeschätzt.

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