Informationsveranstaltung des Verkehrsministeriums zum Ausbau des Bahnhofs Stuttgart-Vaihingen im Häussler-Bürgerforum. Foto: Uwe Roth

Bahnhof Stuttgart-Vaihingen: Land investiert fünf Millionen Euro

SWP Uwe Roth 01.02.2017

Bis Ende 2020 wird der Bahnhof Stuttgart-Vaihingen zu einem regionalen Knotenpunkt ausgebaut. Er soll den künftigen Tiefbahnhof entlasten.

Das Landesministerium für Verkehr hat am Montag in Vaihingen die Pläne zum Ausbau des Bahnhofs in einer öffentlichen und gut besuchten Informationsveranstaltung präsentiert. Der zuständige Abteilungsleiter Gerd Hickmann musste die Bürger des größten Stuttgarter Stadtbezirks, die auf den großen Wurf gehofft hatten, jedoch enttäuschen: Die vorgesehenen Landesmittel von fünf Millionen Euro reichen nach seinen Worten lediglich fürs Notwendigste, damit in drei Jahren wieder Fern- und Regionalzüge in Vaihingen halten können. Dafür müssen im Wesentlichen Bahnsteige neu- und umgebaut, Signalanlagen versetzt sowie Oberleitungen neu gezogen werden.

Zusätzliches Geld, um den Bahnhof an sich zu modernisieren, habe die Deutsche Bahn ebenfalls nicht, wie Michael Groh betonte. Er ist bei der Deutschen Bahn für die Bahnhöfe im Südwesten zuständig.

Zuwachs an Arbeitsplätzen

Der 1879 in Betrieb genommene Bahnhof war ein Jahrhundert lang eine wichtige Station der Gäubahn, heute Teil der Strecke Stuttgart – Zürich. Doch seit 1985 ist er ein reiner S-Bahn- und Stadtbahn-Halt. Für einen komfortableren Ein- und Ausstieg waren die Bahnsteige damals auf S-Bahn-Niveau von 96 Zentimetern angehoben worden. Von da an konnten keine Regional- und Fernzüge mehr halten, weil deren Türen 20 Zentimeter tiefer liegen. Fahrgäste des Regionalverkehrs aus Richtung Süden müssen bereits in Böblingen in die S-Bahn umsteigen oder bis zum Hauptbahnhof fahren, um von dort weiterzureisen.

Dabei gewinnt der Vaihinger Bahnhof seit Jahren für Berufspendler aus der gesamten Region an Bedeutung. Östlich vom Bahngelände sind Hunderte von Arbeitsplätzen entstanden oder sind am Entstehen, wie Susanne Frucht vom Stadtplanungsamt berichtete. So plane beispielsweise Daimler ein Bürogebäude für 4000 Mitarbeiter. Auch die Allianz werde sich dort ansiedeln.

Fotos vom Bahnhof Stuttgart-Vaihingen. Foto: Uwe Roth
Fotos vom Bahnhof Stuttgart-Vaihingen. Foto: Uwe Roth

Der Stadtbezirk mit seinen annähernd 46­ 000 Einwohnern verdankt letztlich Stuttgart 21 seinen vollwertigen Anschluss ans Schienennetz der Bahn. Kurz vor Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs, voraussichtlich in fünf Jahren, werden im Bereich des Stuttgarter Nordbahnhofs S-Bahn-Gleise verlegt. So lange wird Vaihingen Endstation der Gäubahn sein. Doch aus dem ursprünglich angedachtem Provisorium wird nun etwas Dauerhaftes: Für den Fern- und Regionalverkehr wird dazu ein neuer Mittelbahnsteig mit 210 Meter Länge gebaut. Der Hausbahnsteig (Gleis 1) wird um 37 Meter verlängert. Eine sieben Meter lange Rampe sorgt dafür, dass an diesem Gleis auf dem höheren Abschnitt die S-Bahn und auf dem tieferen der neue Doppelstock-IC halten kann.

Stuttgart-21-Gegner haben den Bedeutungsgewinn des Vaihinger Bahnhofs der Bahn im Schlichtungsverfahren mit Heiner Geißler (2010) und beim Filder-Dialog (2012) ein Stück weit abgetrotzt – aber mit Schützenhilfe zuerst der Landesregierung und später des Verbands Region Stuttgart (VRS). Konkret zeigt sich das daran, dass das Verkehrsministerium in den Bahnhof investiert, obwohl es nicht seine Aufgabe ist.

Das Land und der VRS beschlossen 2014 im ÖPNV-Pakt für die Region Stuttgart, den seitherigen zentralen Knotenpunkt Hauptbahnhof zu entlasten und dafür mehrere regionale Nahverkehrs-Drehscheiben mit tangentialen Verbindungen einzurichten. Eine davon wird Vaihingen sein, eine weitere Cannstatt und eine dritte voraussichtlich Feuerbach. Vaihingen und die beiden anderen Bahnhöfe werden die Übergangsstationen der ebenfalls im Pakt beschlossenen Metropol-Express-Bahnen (MEX) sein, die künftig im 30-Minuten-Takt den Großraum Stuttgart mit Tübingen, Geislingen an der Steige, Horb, Heilbronn, Schwäbisch Hall, Aalen oder auch Pforzheim verbinden, ohne dazu durch den Flaschenhals Hauptbahnhof zu müssen.

Informationsveranstaltung des Verkehrsministeriums zum Ausbau des Bahnhofs Stuttgart-Vaihingen im Häussler-Bürgerforum. Fragerunde mit den Bürgern. Foto: Uwe Roth
Informationsveranstaltung des Verkehrsministeriums zum Ausbau des Bahnhofs Stuttgart-Vaihingen im Häussler-Bürgerforum. Fragerunde mit den Bürgern. Foto: Uwe Roth

S-21-Gegner sehen im ÖPNV-Pakt ein indirektes Eingeständnis, dass der Tiefbahnhof nicht die Kapazitäten habe, wie von der Bahn versprochen, und deswegen mit Umgehungsstrecken entlastet werden müsse. Auch die Kosten müssten nach Auffassung der Tiefbahnhofkritiker den für S 21 zugeschlagen werden. Trotz zahlreicher Gegner blieb die Aussprache in der Informationsveranstaltung auf den Ausbau des Bahnhofs Vaihingen konzentriert. Obwohl es Kritik in zahlreichen Details gab, war es für die Bürger eine schöne Vorstellung, in naher Zukunft wieder in einen IC steigen zu können.

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