Ausbildungsporträt Werkzeugmechaniker

ZVW Uwe Roth Fokus Beruf Ausbildungsmesse Rems-Murr-Kreis

Werkzeugmechaniker sind dafür verantwortlich, dass es in der Produktion rund läuft, die Wartung der Stanz- und Biegewerkzeuge stimmt und Reparaturen fachgerecht ausgeführt werden. Sophie Widmann gehört zu den wenigen weiblichen Auszubildenden in diesem Bereich. Die Auszubildende bei AMF schätzt besonders die Abwechslung.


Sophie Widmann in der Werkshalle zu finden, ist kein größeres Problem: Sie ist dort unter zahlreichen männlichen Kollegen die einzige Frau an den Maschinen. Die 22-Jährige ist beim metallverarbeitenden Unternehmen Andreas Maier GmbH & Co KG in Fellbach im dritten Lehrjahr und steht vor der Abschlussprüfung zur Werkzeugmechanikerin. Die erste Frage liegt auf der Zunge: Warum entscheidet sich eine junge Frau mit Fachhochschulreife für einen offensichtlichen Männerberuf?

Die Remseckerin hat die Frage nicht zum ersten Mal gehört. Ihre Antwort hat sie umgehend parat: „Ich wollte was Neues machen, was ich noch nicht kannte, was Praktisches eben.“ Dafür hätte sie einen Handwerksberuf erlernen können. Aber im Gespräch spürt man, dass die Berufswahl nicht allein mit ihrem Hang zum Praktischen in Verbindung steht, sondern auch etwas mit dem Arbeitsklima in ihrem Ausbildungsbetrieb zu tun haben könnte. Immer wieder betont sie das gute Verhältnis der Kollegen untereinander. Der Betrieb sei zwar „ein bisschen männerlastig“. Doch als Frau müsse sie nicht um Anerkennung kämpfen. Von den Männern werde ihr kollegial geholfen. Alle seien freundlich und hilfsbereit. Regelmäßige Arbeitszeiten schätze sie im Übrigen auch, fügt sie als Begründung für ihre Berufswahl hinzu.

Werkstatt lieber als das Büro

Sophie Widmann hat das 1890 gegründete Unternehmen während eines Praktikums kennengelernt – zuerst war sie im kaufmännischen Bereich und anschließend im gewerblichen. Die meisten Praktikantinnen hätten sich anschließend wahrscheinlich für eine kaufmännische Berufsausbildung entschieden. Für die damals 19-Jährige gab es jedoch keinen Zweifel, dass es ihr an den Maschinen besser gefällt als in einem Büro. Sie sei angesprochen worden, ob sie sich nicht bewerben wolle, berichtet sie. Sie tat’s und erhielt einen Ausbildungsvertrag. Es war der Beginn eines Arbeitsverhältnisses, das aller Voraussicht nach über die Lehrzeit hinaus andauern wird.

„Die Auszubildenden werden alle übernommen, da wir nicht über den Bedarf ausbilden“, sagt Peter Andrianos, der bei AMF die gewerblichen Azubis betreut. Zur Fachausbildung gehört im Unternehmen auch soziales Engagement: Seit elf Jahren haben die Auszubildenden einen Stand auf dem Fellbacher Weihnachtsmarkt, auf dem sie Selbstproduziertes verkaufen. Diesmal kamen 16 700 Euro zusammen, die dem Olgäle gespendet wurden.

Das persönliche Ausbildungsziel von Andrianos ist: „Sie sollen so gut werden, dass sich die einzelnen Abteilungen um sie als Fachleute reißen.“ Auf seinem Schreibtisch landen zwar viele Bewerbungen, doch mancher Interessent habe falsche Vorstellungen, was ein Werkzeugmechaniker macht. „Viele denken, man stellt Werkzeuge wie einen Hammer oder Schraubenzieher her.“

„Dienstleister der Stanzerei“

Tatsächlich sorgen Werkzeugmechaniker dafür, dass die Stanz- und Biegewerkzeuge reibungslos funktionieren. Bei AMF stehen zahlreiche Stanzmaschinen. Andrianos betrachtet Werkzeugmechaniker als „Dienstleister der Stanzerei“. Eine gute Wartung verhindere, dass ein Maschinenteil vorzeitig kaputtgeht. Der Ausbildungsleiter sieht das „wie in der Formel I der Boxenstopp“. Präzise Arbeit in kurzer Zeit – damit die Maschinen ohne längere Unterbrechung rund laufen.

Wenn ein Maschinenteil bricht, ist nicht nur Fachwissen gefragt, wie es wieder zum Funktionieren gebracht werden kann. Es sei auch Kreativität gefragt, stellt Andrianos fest. „Ein guter Azubi will nicht, dass ein kaputtes Teil gleich weggeschmissen wird. Sondern er überlegt sich, wie es repariert werden kann.“ Und weil man nie weiß, wo an einem Tag etwas gewartet werden muss, ist „die Arbeit hier sehr abwechslungsreich“, sagt Sophie Widmann. Weil sie zu den Guten gehört, kann sie ihre Lehrzeit um ein halbes Jahr verkürzen. Sie will erst einmal bei AMF weitere Erfahrungen sammeln und ihre Kenntnisse vertiefen. Später hat sie die Möglichkeit, sich zum Techniker, Meister oder Technischen Fachwirt weiterzubilden.

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