Ausbildungsporträt Verfahrensmechaniker

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Kunststoff und Kautschuk sind faszinierende Werkstoffe, findet jedenfalls Lukas Metzger. Der 18-Jährige macht bei der Firma ITT Cannon in Weinstadt eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker. In dem zu einem internationalen Konzern gehörenden Fertigungsbetrieb werden Steckverbindungen hergestellt.


Es ist schon erstaunlich, was aus winzigen Kunststoffkügelchen innerhalb von Sekunden werden kann. Und es ist gleichfalls erstaunlich, was unter einer Steckverbindung alles verstanden werden kann. Lukas Metzger aus Kernen-Rommelshausen hat einen Realschulabschluss, ist im zweiten Lehrjahr und bereits von Zeit zu Zeit in der Fertigung anzufinden. Er steht an einer meterlangen Maschine, beobachtet einen kleinen Monitor und kontrolliert regelmäßig die Kunststoffteile, die die Anlage ausspuckt. Der Auszubildende ist davon beeindruckt, wie vielseitig der Werkstoff ist. „Daraus kann man relativ viel machen“, sagt er. Oftmals sei Kunststoff Metall überlegen. Er sei leichter und dennoch nicht weniger stabil. Bei ITT Cannon in Weinstadt werden im Schichtbetrieb über 90 000 Produktvarianten hergestellt.

Der Rohstoff für den Steckverbinder, ein schwarzes Granulat, kommt in Rohrleitungen aus einem zentralen Lager. Die Spritzgießmaschine Arburg Allrounder 420 erhitzt das Granulat auf bis zu 420 Grad Celsius und schießt das flüssige Material mit einem Druck von bis 2470 bar in eine Form. Aus der wird das Formteil automatisch herausgelöst und auf ein Fließband gebracht. Die Maschine von Lukas Metzger produziert zwei Stück pro Minute – oder Schüsse, wie die Fachleute dazu sagen.

Werkstoffkunde in der Berufsschule

Polymere, Elastomere und Duromere – das klingt schwer nach Chemie. Was sie bedeuten, bekommt man in Werkstoffkunde in der Berufsschule beigebracht – aber auch in der Lehrwerkstatt. So lernen die Azubis, dass der weitaus größte Teil der industriell gefertigten Polymere, etwa 80 Prozent der Gesamtproduktion, in die Gruppe der Thermoplaste gehört.

„Technisches Verständnis, handwerkliches Geschick, Interesse am Aufgabengebiet mitzubringen sowie Engagement und Sorgfalt – das ist uns bei den Bewerbern wichtig“, sagt Ausbildungsleiterin Nadine Staudinger. Steckverbinder sind in ihrem Innern zum Teil hochkomplex. Sind die Formen nicht in einem einwandfreien Zustand, bleibt der Kunststoff beim Auslösen hängen wie Teig in einer schlecht gereinigten Kuchenform. Ein räumliches Vorstellungs- und Konzentrationsvermögen sind Voraussetzung, um beispielsweise eine Maschine ordnungsgemäß und in kürzester Zeit umzurüsten. „Die Maschine muss hundertprozentig konstant laufen“, lautet die Vorgabe für den Auszubildenden.

Einblicke in andere Betriebsabläufe

Vier der Ausbilder bei ITT Cannon sind Mitglied in IHK-Prüfungsausschüssen. Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch mit Ausbildungsmeistern und Lehrern sei gesichert, sagt Nadine Staudinger. Die Auszubildenden könnten so „optimal“ auf die Prüfungen vorbereitet werden. Über die ehrenamtliche IHK-Mitarbeit seien die Ausbilder bei Anpassungen oder Änderungen an den Prüfungen oder den Prüfungsabläufen beteiligt.

Während der Ausbildung wird bei ITT Cannon aber nicht nur gelernt und gearbeitet. Einmal im Jahr findet der Azubi-Ausflug statt. Gerne wird das Ausflugsziel mit einer Betriebsführung in einem anderen Unternehmen gekoppelt, damit die Azubis Einblicke in andere Betriebsabläufe bekommen. Da das Unternehmen zu einem weit verzweigten Konzern gehört, ist die Auswahl möglicher Ausflugsziele groß. Einmal im Jahr findet ein Azubiabend statt, um das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu stärken.

Das größte Erfolgserlebnis für Lukas Metzger war der Moment, als er zum ersten Mal eine Maschine allein bedienen durfte. „Da war ich schon stolz auf mich“, erinnert er sich. Nach seinem Abschluss möchte er im Unternehmen ein bis zwei Jahre Erfahrung sammeln, bevor er sich entscheidet, ob er beispielsweise eine Weiterbildung zum Meister oder Techniker macht. Ein Studium wäre dann auch noch möglich.

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