Ausbildungsporträt Produktionstechnologe

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 Stefan Lange gehört zu den ersten zwei Auszubildenden, die im Rems-Murr-Kreis den Beruf des Produktionstechnologen erlernen. Ihr Ausbildungsbetrieb ist die Firma Stihl in Waiblingen. Die vielseitige Aufgabe lautet, in den Produktions- und Montagehallen Abläufe zu optimieren. Produktionstechnologen helfen, Kosten zu senken und Qualität zu sichern.

Den staatlich anerkannten Beruf gibt es erst seit dem Jahr 2008. Er ist entstanden, weil in der Produktion und Montage die Abläufe komplexer werden, IT und Mechanik sich immer mehr verzahnen und ständig neuen Anforderungen angepasst werden müssen. Produktionstechnologen sind dazu da, im täglichen Werksbetrieb die Übersicht zu behalten und zu erkennen, wo es in den Prozessen hakt und was besser gemacht werden könnte. Sie sorgen für einen reibungslosen Produktionsablauf.

Der Briefkasten neben der Zeiterfassung, in den Mitarbeiter ihre betrieblichen Verbesserungsvorschläge auf einem Zettel einwerfen können und der alle paar Wochen geleert wird, reicht längst nicht mehr aus, ein Unternehmen besser werden zu lassen. Gefragt ist Optimierung der Prozesse sozusagen in Echtzeit.

Spezialist und Allrounder

Stefan Lange hat den Beruf auf der Internetseite der Firma Stihl entdeckt, die dort insgesamt sieben Ausbildungsberufe und sieben duale Studiengänge anbietet. Der 19-Jährige aus Stetten hat im vergangenen Jahr sein Abitur gemacht und ist jetzt im ersten von drei Lehrjahren. Die Vielseitigkeit, die der Beruf ausmacht, hat es ihm angetan. Diese lässt sich schon daran festmachen, dass ein Produktionstechnologe die Hälfte seiner Zeit in den Werkhallen verbringt und die andere Hälfte im Büro.

Ein Produktionstechnologe ist einerseits Spezialist. Gleichzeitig sollte er Allrounder sein, sagt Stihl-Ausbilder Ralf Leonhardt. So lernt der Auszubildende die Basisfähigkeiten eines Industriemechanikers und die Grundlagen der Steuerungs- sowie Elektrotechnik und Elektronik. „Wir besuchen alle Kurse, doch wir gehen nicht so in die Tiefe“, erläutert Stefan Lange den Unterschied zu den klassischen gewerblichen Ausbildungsberufen.

Zu den Grundlagen aus dem technischen Bereich kommen kaufmännische Kenntnisse, und er sollte am Ende der Ausbildung wissen, wie sich Betriebskosten zusammensetzen. Sein Auftrag ist, Kosten zu senken und damit die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Der Produktionstechnologe kann folglich mit Kalkulationsprogrammen umgehen. Stefan Lange besucht bereits erste SAP-Kurse.

Moderne Berufsschule

Besonders begeistert ist der Auszubildende von der Berufsschule. Die steht in Aalen und ist eine von erst vier Schulen in Deutschland, die diese Fachrichtung anbieten. Seine Lehrer kommen aus der Praxis, berichtet Lange. In der Berufsschule steht eine moderne Produktionsstraße, an der den Auszubildenden gezeigt wird, was unter Industrie 4.0 zu verstehen ist. Auch in den Klassenräumen geht es modern zu: „Wir sind eine Musterklasse. Jeder Schüler hat ein Tablet bekommen. Blätter werden von den Lehrern nicht mehr ausgeteilt“, berichtet der 19-Jährige. Erprobt wird das digitale Büro.

Neben einem guten logisch-analytischen Denkvermögen sollten die Bewerber auf eine solche Ausbildung gute Englischkenntnisse mitbringen, sagt der Stihl-Ausbilder. Das Unternehmen bevorzugt eine gute Fachhochschulreife oder einen höherwertigen Schulabschluss. Überhaupt Kommunikation. Ein Produktionstechnologe muss seine Lösungsvorschläge sprachlich auch vermitteln können. Da ist soziale Kompetenz gefragt. Manchmal gehört Fingerspitzengefühl dazu, einen älteren Kollegen zu überzeugen, dass er etwas verändern soll, von dem er jahrelang davon ausging, dass es so in Ordnung war.

Aktuell ist der Beruf nicht weit verbreitet. Ausbilder Leonhardt sieht insgesamt einen wachsenden Bedarf. Bei Stihl jedenfalls sei dieser vorhanden. Somit kann Stefan Lange davon ausgehen, dass er in zwei Jahren nach der zweiten Abschlussprüfung vom Unternehmen übernommen wird.

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