Arbeitslose sollen Straßenmüll sammeln

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 07.06.2017

Der Kreis-Umweltausschuss hat 100 000 Euro pro Jahr bewilligt, um Straßenränder zu säubern.

Kreis Ludwigsburg. Der Landkreis will Langzeitarbeitslose als Straßenwärter im Kampf gegen eine zunehmende Verschmutzung der Straßenränder durch Autofahrer beschäftigen. Der Umwelt- und Technikausschuss des Kreistags hat am Freitag einen entsprechenden Beschluss gefasst und für die Abfallbeseitigung rund 100 000 Euro jährlich genehmigt. Die B27 zwischen Bietigheim und Ludwigsburg wird von der Kreisverwaltung als ein besonders auffälliges Beispiel für das Vermüllungsproblem links und rechts der Straßen genannt. Dort müsste, um einen sichtbaren Erfolg zu haben, jede Woche der Müll eingesammelt werden, heißt es dazu in der Beschlussvorlage.

Die Initiative für den Tagesordnungspunkt war von der CDU-Fraktion ausgegangen. Derzeit verdecke die Vegetation den Dreck, doch vor dem Frühling sei das Ausmaß besonders deutlich zu sehen gewesen, begründet die Partei ihren Antrag. Kreisrat Hans Schmid sagte, Abfälle durchs offene Autofenster zu entsorgen, „ist inzwischen zu einer Zivilisationskrankheit geworden“. Ihn empöre es, „dass es vielen anscheinend egal geworden ist, wie es auf den Straßen aussieht“. Die Verschmutzung habe „ein nicht mehr tragbares Maß angenommen.“

Straßenränder: Verschmutzung nimmt zu

Die Kreisverwaltung, so schien es, nahm den CDU-Antrag gern entgegen: „Auch wir haben den Eindruck, dass die Verschmutzung in den vergangenen Jahren zugenommen hat“, sagte Landrat Rainer Haas. Dabei seien die Müll einsammler des Kreises inzwischen öfter unterwegs. „Wir müssen leider feststellen, dass sich die Moral der Verkehrsteilnehmer deutlich verschlechtert hat“, bestätigt die Kreisverwaltung den Eindruck der CDU.

Angesichts der Überstunden, die die Straßenwärter vor sich herschöben, und der immerhin 700 Kilometer Straßen im Kreisgebiet seien mit den bestehenden Arbeitskolonnen die Kapazitäten ausgeschöpft. Der Verwaltung schlug daher vor, innerhalb der Straßenmeisterei eine weitere mit „mindestens drei und maximal fünf Mitarbeitern“ zu bilden. Um einen doppelten Nutzen zu haben, sollen Langzeitarbeitslose, also Bezieher des Arbeitslosengelds II, diese Jobs bekommen. Die Hälfte der Kosten von rund 200 000 Euro im Jahr übernimmt das Jobcenter – jedoch höchstens für zwei Jahre. Bereits im Oktober könnten die ersten neuen Hilfskräfte zum Müllsammeleinsatz kommen.

„Straße ist kein Müllplatz“

Die Kreisverwaltung überlegt zudem, an Straßenabschnitten, wo die Situation besonders schlimm ist, Schilder aufzustellen mit Aufschriften wie „Straße ist kein Müllplatz“.

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