Apfelernte 2017: Herstellern geht der Saft aus

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Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 19.09.2017

Bis zu 90 Prozent Ausfälle bei der Apfelernte beklagen die Fruchtsaftproduzenten. Die mobile Obstpresse, die derzeit im Landkreis unterwegs ist, hat einige Termine gestrichen. 


Am Montag, 25. und Dienstag, 26. September kommt die mobile Obstpresse von Wolfgang und Elke Klotz nach Bietigheim-Bissingen zum Dreschschuppen am Viadukt. „Genügend Anmeldungen für zwei Tage liegen vor“, sagt Gabriele Heusel-Voraus von der „Grünen Nachbarschaft“ in Ludwigsburg, die den Einsatz der mobilen Obstpresse im Landkreis koordiniert. Zwar müssen die Termine in Bietigheim-Bissingen nicht ausfallen wie in der vergangenen Woche in Ingersheim oder Remseck, „aber es sind Stand heute nicht einmal die Hälfte der sonst üblichen Anmeldungen“, beklagt die Geschäftsstellenleiterin. Leider, so ihre Erkenntnis, falle die Ernte noch schlechter aus als erwartet.

Nach Ostern große Frostschäden

Schlechter als erwartet – das ist die einhellige Bilanz aller, die in der Region mit dem Obstbau und der Fruchtsaftherstellung zu tun haben. Geschäftsführer Albrecht Kumpf vom gleichnamigen Unternehmen in Markgröningen-Unterriexingen musste frustriert zu Kenntnis nehmen, „dass die Frostschäden nach Ostern ein viel größeres Ausmaß hatten, als zuerst angenommen.“ Bundesweit seien die Ernteausfälle in Baden-Württemberg und speziell in der Region am größten, sagt er. Hier böte sich „überall das gleiche Bild“. Kumpf beziffert den Ernteausfall auf um die 90 Prozent.

Am Bodensee seien die Anbauer mit einem Minusertrag von 80 Prozent nur geringfügig besser weggekommen. Ostdeutschland dagegen habe eine spätere Blütenzeit, somit richtete der Frost dort nur wenige Schäden an. Lediglich ein Ernteausfall von 20 Prozent sei aus den östlichen Regionen gemeldet worden.

In Baden-Württemberg hat das Unternehmen Kumpf 80 Sammelstellen. Zusätzlich liefern Raiffeisen und BayWa, die Niederlassungen im Land haben, Früchte zu. „Die Kooperation hat sich jetzt als ein echter Vorteil erwiesen“, sagt der Geschäftsführer. „Zumindest unseren Eigenbedarf können wir damit decken.“ Dieser liegt bei sechs Millionen Liter.

Normalerweise verkauft Kumpf Äpfel an andere Fruchtsaftbetriebe. Dieses Angebot kann er dieses Jahr nicht machen. Wegen der Streuobstwiesen-Garantie, die er seinen Kunden gibt, seien Importe aus Ostdeutschland oder gar aus dem Ausland ausgeschlossen. Bei Birnen sei die Situation im Übrigen ähnlich wie bei den Äpfeln. Auch die Kirsch ernte sei eine der schlechtesten der vergangenen Jahre gewesen, teilt Kumpf mit.

Erträge sind katastrophal

Bei der Saftmanufaktur Rösch in Ludwigsburg, die ihre Früchte für die Verarbeitung überwiegend im Landkreis und im Rems-Murr-Kreis einkauft, wird der Ausfall ebenfalls auf 90 Prozent geschätzt. „Die Apfelerträge sind katastrophal“, heißt es von dort. Im Gegensatz zur Firma Kumpf werden bei Rösch die Apfelmengen nicht einmal für den Eigenbedarf reichen, obwohl noch einige Restmengen vom Vorjahr übrig geblieben sind.

Immerhin: Wer in diesem Jahr viel Streuobst einsammelt und bei den Saftherstellern abliefert, bekommt zumindest einen guten Preis: Für 100 Kilogramm erhält man beispielsweise von der Firma Rösch aktuell 14 Euro mit steigender Tendenz. Vor einem Jahr, als die Ernte besonders ertragreich war, waren es lediglich 5,50 Euro. Da aber das Einsammeln großer Mengen wegen der wenigen Bäume, die Früchte getragen haben, mühselig und zeitaufwendig ist, bleibt die Rendite dennoch auf der Strecke.

Übrigens: Laut Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie trinken die Deutschen immer weniger Apfelsaft. Im Jahr 2005 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 12,4, im vergangenen Jahr bei 7,5 Litern. Der Konsum von Apfelsaftschorle sei ebenfalls rückläufig.