Am Kappelberg kracht es so oft wie nie

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ZVW, Uwe Roth, 06.07.2015

Fellbach. Der Kappelbergtunnel aus Richtung Stuttgart entwickelt sich zur Unfallhäufungsstelle. Allein in diesem Jahr gab es an diesem Abschnitt der B 14 bereits fünf größere Unfälle. Nun soll die automatische Geschwindigkeitsregelung modernisiert werden.

Verkehrsunfälle vor und im Kappelbergtunnel auf der Bundesstraße 14 bei Fellbach zeigen meistens große Folgen. Das ist selbst dann der Fall, wenn beim Zusammenstoß wenig passiert ist und es keine Verletzten gegeben hat. Der Grund für die regelmäßigen Chaosfolgen: Besonders im Feierabendverkehr bildet sich an der Unfallstelle in Minutenschnelle ein Megastau, der bis weit nach Stuttgart reicht.

Und weil jedes Mal so viele Pendler von einem Kappelbergtunnelunfall betroffen sind und sie unter Umständen bis zu zwei Stunden in ihrem Wagen verharren müssen, bis die Unfallstelle wieder geräumt ist, finden die Polizeimeldungen darüber immer den Weg auf die Internetseite des Verlags und in die Zeitung. Die Berichte stoßen auf großes Interesse bei den Lesern. Die Kommentare reichen von gezeigtem Mitgefühl für die Unfallbeteiligten bis zur völligen Gereiztheit wegen der Straßensperrung zur Rushhour.

Auf schwarzes Auto vor dem Tunnelloch aufgefahren

In der Regel passieren dort Auffahrunfälle. Zu einem solchen mit hohem Sachschaden kam es beispielsweise Anfang Mai: In Fahrtrichtung Waiblingen schob der 40-jährige Fahrer eines silbernen Citroën insgesamt vier Fahrzeuge ineinander. Der Fahrer hatte kurz vor dem Tunneleingang auf dem linken Fahrstreifen zu spät ein Stauende erkannt und fuhr mit seinem Fahrzeug auf einen schwarzen Smart auf. Durch die Wucht schob der Kleinwagen noch zwei davorstehende Mercedes aufeinander. In dem sehr stark deformierten Smart wurden zwei Insassen sowie im davorstehenden Pkw ein Insasse verletzt. Der Sachschaden bei diesem Crash betrug 23 000 Euro. Darin nicht eingerechnet sind die Kosten zahlreicher Rettungskräfte, die Umweltschäden durch den vielen Kilometer langen Stau und nicht zuletzt der Faktor Zeit der Menschen, die nicht rechtzeitig nach Hause kamen.

Warum es sich vor und im Tunnel staut, ist meistens nicht offensichtlich. Wer täglich nachmittags auf der B 14 aus Stuttgart unterwegs ist, hat sich daran gewöhnt, dass der Verkehr immer langsamer wird, je näher der Tunneleingang kommt. Nach längerer Kriechfahrt beschleunigt sich der Verkehr spätestens auf der anderen Seite des Tunnels. Die Ursache bleibt im Dunkeln. Eine Vermutung ist, dass Autofahrer am Tunnelportal unsicher werden und unwillkürlich auf die Bremse treten, das Tempo stärker verringern, als eigentlich notwendig ist. „Bei normalem Verkehr kann man ohne Gefahr mit 100 Stundenkilometer in den Tunnel einfahren“, sagt Polizeisprecher Holger Bienert.

An diesem Abschnitt der Bundesstraße geht es zweifellos eng zu. Wenn ein Autofahrer unkonzentriert ist und wenig Abstand hält, ist ein Auffahrunfall schnell passiert. Laut Polizeistatistik hat es am Kappelbergtunnel in Fahrtrichtung Aalen im laufenden Jahr bereits fünfmal gekracht. Vier davon waren Auffahrunfälle. Dabei werden von der Polizei nur die Unfälle in die Statistik aufgenommen, bei denen es Verletzte gibt, oder dem Unfall eine Ordnungswidrigkeit zugrunde liegt. Kleinere Zusammenstöße tauchen in den Unterlagen erst gar nicht auf.

Damit passierten in der ersten Jahreshälfte an diesem Streckenabschnitt bereits so viele Unfälle wie in den vorangegangenen Jahren über die gesamten zwölf Monate. Somit ist die B 14 an dieser Stelle auf dem Weg zu einer Unfallhäufungsstelle (siehe Infokasten), die die Verantwortlichen auf den Plan ruft. Mit der offiziellen Anerkennung als Unfallschwerpunkt geht die Verpflichtung einher, die Stelle mit welchen Mitteln auch immer zu entschärfen.

Liegt es an der automatischen Geschwindigkeitsregelung?

Warum es gerade 2015 im Vergleich zu den Vorjahren so oft kracht, ist den Experten ein Rätsel. Eventuell ist es ein gewachsenes Verkehrsaufkommen in Kombination mit einer zu hohen zulässigen Geschwindigkeit. Vor dem Kappelbergtunnel wird die Geschwindigkeit des Verkehrs elektronisch über eine Anzeige geregelt. Ist die Bundesstraße leer, ist die Anzeige ausgeschaltet.

Ansonsten schwankt die Tempoanzeige zwischen 60 und 120 Stundenkilometer. Zuständig für die Geschwindigkeitsregelung ist die Stadt Fellbach. Ordnungsamtsleiter Werner Röbele wiederum verweist auf das Regierungspräsidium Stuttgart, das die Regelanzeige betreibt. In diesen Tagen soll es Gespräche geben, die Tauglichkeit dieser Anlage zu überprüfen und gegebenenfalls zu modernisieren.

Unfallhäufungsstelle

Kriterien zur Definition einer Berliner Unfallhäufungsstelle: Drei Unfälle mit schwerem Personenschaden oder getöteten Personen in drei Jahren oder fünf Unfälle mit mindestens leichtem Personenschaden in drei Jahren oder fünf gleichartige Unfälle innerhalb eines Jahres.

Veröffentlicht von

Ruwe_Admin

Ich heiße Uwe Roth und bin seit 35 Jahren Journalist. Ich schreibe für Zeitungen und Magazine. Ich bin Autor, Reporter, Redakteur/Blattmacher. Außerdem bin ich Spezialist für barrierefreie Kommunikation. Ich texte in Einfacher Sprache und trainiere Menschen in der verständlichen Kommunikation.