Archiv für den Monat: Februar 2019

Berufspendler nutzen die S-Bahn. Quelle: VVS

Schienenverkehr: Im Stuttgarter Netz drohen Probleme

Südwest Presse, Uwe Roth, 21.02.2019

Von Juni an soll die private Bahn Abellio Strecken übernehmen. Doch die neuen Züge werden nicht rechtzeitig geliefert.

 

Auf der Internetseite von Abellio Rail Baden-Württemberg ist noch alles im Zeitplan: Am 19. Juni, heißt es da, werden drei Strecken jeweils von Stuttgart nach Bad Wildbad, Heidelberg und Bruchsal in Betrieb genommen. Noch im Dezember wird das Liniennetz bis Mannheim erweitert, kündigt das Tochterunternehmen der niederländischen Staatseisenbahn am Donnerstag an. Ein halbes Jahr später, also im Juni 2020, soll die Übernahme der DB Region-Strecke von der Landeshauptstadt nach Tübingen abgeschlossen sein. Die Linien (siehe Grafik) werden im Regionalnetz Neckar verkehren. 52 Elektrotriebzüge des Typs Talent 2 vom Eisenbahnhersteller Bombardier sind dafür eingeplant.

Europäische Normen machen Probleme

Doch ob Abellio in Baden-Württemberg so schnell die „Qualitätsführerschaft auf der Schiene“ erreicht, wie es in der Eigenwerbung heißt, darf bezweifelt werden. Denn Bombardier hat Probleme bei der Lieferung bestätigt: „Bedauerlicherweise stehen im Juni nicht die für die erste Lieferung vereinbarten 16 Fahrzeuge zur Verfügung stehen“, sagt Unternehmenssprecher Andreas Flórez. Es sei aber geplant, „mindestens zehn Züge betriebsbereit zu übergeben“. Als Gründe nennt er Probleme mit der Software. Neue europäische Normen in die Computerprogramme einzubinden, sei zu einer komplexeren Aufgabe geworden als erwartet.

Flórez versichert, dass an einem Aufholprogramm gearbeitet werde. Im Juli sollen zehn der geplanten 16 Züge geliefert werden. Das teilte Dietmar Knerr, Geschäftsführer Abellio Rail Baden-Württemberg, in einer Pressekonferenz mit. Man rechne damit, dass die restlichen Fahrzeuge zwei bis drei Monate später auf die Schienen können.

Übergangslösungen mit Ex-Betreibern

Bis dahin muss Plan B, wie ihn Knerr nennt, greifen. Abellio führe Gespräche mit anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Leihfahrzeugen, so Abellio-Sprecherin Hannelore Schuster. „Zudem stehen wir im Austausch mit der Deutschen Bahn und prüfen verschiedene Optionen. So auch die Möglichkeit, dass DB Regio den Betrieb auf der Verbindung Stuttgart-Mühlacker-Pforzheim/Bruchsal-Heidelberg kurzzeitig fortführt.“ Wie die Übergangslösung konkret aussehen kann, muss geklärt werden. Auch die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft soll Abellio unter die Arme greifen.

Sollte Plan B so klappen, wie es sich alle Beteiligten vorstellen, dann seien Fahrgäste kaum von den Lieferproblemen betroffen. „Zum Beispiel für die Fahrt von Pforzheim nach Stuttgart hatten wir eigentlich einen Zug mit 326 Sitzplätzen eingeplant“, so Knerr. Solange die neuen Fahrzeuge noch nicht da sind, werden in dem Ersatz-Zug nur 273 Plätze zur Verfügung stehen.

Hersteller Bombardier hat Lieferprobleme

Verkehrsminister Winfried Hermann hörte auf einer Dienstreise im kanadische Waterloo im letzten Jahr schon mal von den Lieferproblemen bei Bombardier. „In Waterloo hatten sie ein komplettes neues Netz aufgebaut, aber mussten ein Jahr lang auf die Züge warten. Die Kanadier haben das aber locker weggesteckt“, erzählt er. Damals habe er noch darüber gewitzelt, jetzt steckt das Land selbst in der Patsche.

Wieso hat sich Abellio für einen Hersteller entschieden, der sich bisher nicht als zuverlässig erwiesen hat? „Bombardier hat behauptet, alle Fahrzeuge rechtzeitig zu liefern“, sagt Knerr. Erst im Januar, als kein Plan über den Baufortschritt geliefert wurde, machte sich das Unternehmen Sorgen. Auf Anfrage habe Bombardier dann die Hosen heruntergelassen, wie Knerr sagt. Für die Hersteller-Wahl habe damals bei der Ausschreibung auch das wirtschaftlich beste Angebot von Bombardier gesprochen.

Man habe den Prozess bei Bombardier stets eng begleitet, fügt Hermann hinzu und wehrt sich damit gegen eine Behauptung des verkehrspolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Martin Rivoir.  Er wirft Hermann vor, er habe wegen mangelnder Kontrolle des Lieferanten versagt.

Bei Go-Ahead läuft alles reibungslos ab

Der zweite neue Betreiber in Baden-Württemberg, die Go-Ahead Verkehrsgesellschaft, kann hingegen im Juni wohl pünktlich mit seinen Fahrzeugen an den Start und auf die Schienen gehen. Von Lieferverzug ist nichts bekannt.

Die Züge befahren die Strecken Stuttgart-Crailsheim und Stuttgart-Geislingen-Ulm sowie Stuttgart-Würzburg und Stuttgart-Aalen.

Statt auf Bombardier setzt das britische Tochterunternehmen auf den Schweizer Schienenfahrzeug-Hersteller Stadler. uwo

Der Ludwigsburg Marktplatz im Barockstil ist ein Kleinod. Viele Schlossbesucher verpassen es aber. Foto: Uwe Roth

Ludwigsburg setzt touristisch auf soziale Medien

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 05.02.2019

Nach knapp einjähriger Vorbereitungszeit hat die Stadt Ludwigsburg nun ihr Tourismuskonzept vorgestellt. Autor ist Elmar Kunz, der stellvertretende Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs Tourismus & Events Ludwigsburg. Der studierte Tourismus-Manager beschreibt auf annähernd 300 Seiten, welche Schritte die Stadt unternehmen sollte, um unter anderem das Reiseziel Ludwigsburg in der Welt besser bekannt zu machen.

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Fahrverbot-Protest in Ludwigsburg

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 02.02.2019

250 Teilnehmer wurden bei der ersten Pro-Diesel-Demonstration in Ludwigsburg gezählt. Weitere sollen in den nächsten Monaten folgen. 

Nach der Landeshauptstadt hat nun auch Ludwigsburg eine Protestgruppe, die gegen ein Dieselfahrverbot auf die Straße geht. Am Freitagnachmittag marschierte sie mit etwa 250 vorwiegend älteren Teilnehmern vom Rathaus zur Hohenzollernstraße und nach einer kurzen Kundgebung wieder zurück in die Innenstadt. Nicht wenige Demonstranten trugen eine gelbe Warnweste. Sie soll an die Bürgerproteste in Frankreich erinnern. Während es in Stuttgart bereits ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge gibt, könnte ein solches Ludwigsburg in diesem oder im nächsten Jahr drohen.

Feind der Protestbewegung ist die Deutsche Umwelthilfe

Direkt vor der aus ihrer Sicht falsch aufgestellten Luftmessstation an der Friedrichstraße, die von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) seit 2003 dort betrieben wird, durften die Demonstranten keinen Stopp einlegen, damit der dichte Straßenverkehr nicht länger als nötig gestört wird.

Initiator von Pro-Diesel ist der ehemalige Mann-und-Hummel-Manager Dieter Seipler. Der 72-Jährige hat die Transparente besorgt, auf denen zu lesen stand „Stoppt die Falschmessungen der LUBW“, „Keine Dieselfahrverbote in Ludwigsburg“ und „Keine Feinstaub-/NO2-DUH-Lügentote“. DUH steht für die Deutsche Umwelthilfe, die auch bei dieser Demonstration zum einigenden Feindbild geworden ist. Die Ansprache des Initiators ist allerdings größtenteils im Straßenlärm untergegangen. Der kleine Bluetooth-Lautsprecher war zu schwach, um die Ohren der Protestierenden zu erreichen. Seipler kündigte an, im Februar und im März die Demonstrationen wiederholen zu wollen.

OB Spec unter Pro-Diesel-DEmonstranten. Foto: Uwe Roth
OB Spec unter Pro-Diesel-DEmonstranten. Foto: Uwe Roth

Laut genug war dagegen die Reden erprobte Stimme von Oberbürgermeister Werner Spec, der sich unter die Kundgebung gemischt hatte. Er sagte, dass er auch den Standort der Messstation kritisch betrachte. „Ich habe gewisse Zweifel, dass die an dieser Stelle gemessenen Werte repräsentativ ist“, sagte er unter Beifall der Demonstranten. „Wir werden das Autofahren nicht verteufeln“, fuhr er fort.

OB Spec bietet Protestbewegung seine Zusammenarbeit an

Der Oberbürgermeister bot der Initiative „seine Zusammenarbeit“ an. „Wir werden Kontakt halten“, versprach Spec, der aber auch betonte, dass die Stadt unabhängig von der Messstation alles unternehmen werde, die Schadstoffwerte zu senken. Spätestens Ende 2020, so versicherte er, würden diese Ziele erreicht sein. Bis Jahresende werde die Verkehrstechnik digitalisiert sein, um die Verkehrsströme flüssiger zu machen. Die Polizei hatte am Freitag gleich zwei Demonstrationszüge durch die Stadt zu leiten. Allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Am Vormittag demonstrierten etwa 300 Schüler gegen den Klimawandel. Eine Demo für den Diesel und eine Demo zum Schutz des Klimas – für OB Spec hat nach seinen Worten beides ihre Berechtigung. „Ich finde es toll, wenn junge Menschen für ihre Zukunft kämpfen“, sagte er. Am Montag gebe es ein Treffen mit den Initiatoren der Schülerdemos.