Archiv für den Monat: Dezember 2018

Gewalt gegen Rettungskräfte und Feuerwehr begegnen

DEMO, Uwe Roth, 19.12.2018

Mehr Respekt gegenüber Helferinnen und Helfern gefordert. Deeskalationsstrategien können als Schutz hilfreich sein.

Die Gewalt gegen Rettungskräfte scheint zuzunehmen. Über spektakuläre Fälle wird breit in den Medien berichtet. Betrunkene pöbeln Sanitäter massiv an. Unfallgaffer setzen sich aggressiv und mit Beschimpfungen zu Wehr, wenn sie von Einsatzkräften zur Seite gedrängt werden, damit diese Hilfe leisten können. Was, so fragen sich Leserinnen und Leser solcher Nachrichten, ist in diese Menschen gefahren? Wie können sie Helfer attackieren, die letztlich Menschenleben retten wollen? Solche Nachrichten scheinen in das Stimmungsbild einer wachsenden Respektlosigkeit in der Öffentlichkeit gegenüber hoheitlichen Einrichtungen zu passen.

Kampagne in Bayern

In München schleuderte im Sommer ein 20-Jähriger eine Whiskyflasche gegen die Scheibe eines Notarzteinsatzfahrzeugs der Berufsfeuerwehr. Diese durchschlug die Scheibe und traf eine Notärztin im Gesicht. Sie erlitt dabei schwere Verletzungen. Ein Rettungssanitäter wurde durch umherfliegende Glassplitter am Auge verletzt. Die Berufsfeuerwehr der bayerischen Landeshauptstadt sieht darin einen ungewöhnlichen Fall, aber noch lange keinen Beweis eines zunehmenden Autoritätsverlusts der Rettungskräfte. Ein Sprecher gibt Auskunft: „Dieser Vorfall ist bislang der spektakulärste gewesen.“ Erst danach habe man überhaupt begonnen, eine Statistik zu führen. Weil dem so sei, „liegt es uns fern, Einschätzungen über Verhaltensmuster und Denkweisen der übergriffigen Personen zu ­äußern“, wehrt Brandoberinspektor Florian ­Hörhammer Fragen nach möglichen Ursachen ab. Da es sich in der Vergangenheit nach seiner Einschätzung um wenige Einzelfälle gehandelt habe, sieht die Münchner Wehr „derzeit keinen Grund, Mitarbeiter in Selbstverteidigungskurse zu schicken“, wie dies von manchen ­Rettungsorganisationen getan werde.

Die Landesgruppe Bayern der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft hat indessen das Thema „Gewalt gegen ­Rettungskräfte“ in der Kampagne ­„Respekt? Ja bitte!“ aufgegriffen. In ­einem Video kommen auch betroffene Helferinnen und Helfer zu Wort. Beim Arbeiter-Samariter-Bund Baden-Württemberg setzt man auf Deeskalationsstrategien, wie die ASB-Landesvorsitzende Sabine Wölfle sagt. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion stellt fest: „Dies ist nach unserer Auffassung ein deutlich effektiverer Ansatz, als sie in Selbstverteidigung zu schulen.“ Die allermeisten Situationen ließen sich bei entsprechendem Vorgehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entschärfen.

Arbeiter Samariter Bund: Relativ wenig Vorfälle

Gleichwohl spricht man auch beim ASB nicht von ­einer Zunahme von Konflikten. Denn: „Insgesamt verzeichnen wir relativ wenige Vorfälle.“ Nach der ASB-Landesstatistik ist die Zahl der verbalen Übergriffe von 60 im Jahr 2016 auf 30 im vergangenen Jahr gesunken. Die Zahl der einfachen und schweren Körperverletzungen ist allerdings im gleichen Zeitraum, wenn auch auf niedrigem Niveau, von drei auf neun Fälle angestiegen. 2017 verzeichnete der ASB rund 85.000 Einsätze mit Rettungswagen und Notarztfahrzeugen sowie 93.000 Krankentransporte. Doch Wölfle bekräftigt angesichts dieser Zahlen: „Angriffe auf Rettungskräfte sind absolut inakzeptabel und müssen mit aller Härte bestraft werden.“

Die gleichen Beobachtungen macht Sprecher Udo Bangerter vom Deutschen-Roten-Kreuz-Landesverband in Stuttgart. Er sieht zwar ebenso eine Tendenz hin zu einer wachsenden Ungeduld, Unhöflichkeit sowie Respektlosigkeit, die den Rettungssanitätern bei ihren Einsätzen begegne. Dazu kämen Menschen unter Drogen- und Alkoholeinfluss mit zum Teil aggressivem Verhalten. Dennoch könne er „keinen nennenswerten Zuwachs an körperlicher Gewalt gegenüber Rettungssanitätern erkennen“, wie Bangerter feststellt. In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Zahl der Rettungseinsätze verdoppelt. Entsprechnend nähmen die Gewalt- und Beleidigungsvorfälle zu. Doch unterm Strich bewertet er „solche Delikte als insgesamt sehr selten“.

Studie: Hohe Dunkelziffer

Die Kriminalwissenschaftlerin Janina Dressler, die in einer Studie Ende 2014 rund 1.600 Rettungskräfte der Berufsfeuerwehren und zivilen Hilfsorganisationen befragt hat, zeigt allerdings auf, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Ihrer Aussage nach standen zum Beispiel 2014 in Hamburg 30 bis 40 gemeldeten Delikten 1.600 nicht gemeldete gegenüber. In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) waren laut Dressler bundesweit 1.852 Straftaten gemeldet. Wie die Dimension der Vorfälle auch sein mag: Jeder einzelne Angriff auf Rettungskräfte ist einer zu viel.

Arsenalplatz: Nicht genug Fläche für Parken und ÖPNV

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 19.12.2018

Der Arsenalplatz in Ludwigsburg ist ein geschichtsträchtiges Pflaster. Wo vor etwas mehr als 100 Jahren Kanonen standen und Soldaten in Habachtstellung auf dem harten Pflaster auf den Abtransport zu ihrem Kriegseinsatz warteten, parken heute Autos in Reihe und Glied. Die Stadtverwaltung möchte bereits seit fünf Jahren im Rahmen ihrer Pläne zur weiteren Entwicklung der Innenstadt aus dem öffentlichen Parkraum einen Park machen – zumindest eine kleine Grünanlage. Das wäre in der Innenstadt dann der zweite grüne Flecken.

Die Grünen im Gemeinderat finden das erwartungsgemäß gut. Die übrigen Fraktionen können sich einen autofreien Arsenalplatz dagegen nicht vorstellen – zumindest derzeit noch nicht. Deswegen hat Oberbürgermeister Werner Spec seinen ursprünglichen Plan aufgegeben und der bürgerlichen Mehrheit im Gemeinderat einen Kompromiss angeboten: Die Autos sollen in zwei Schritten von der Fläche zwischen der Arsenalstraße und dem Staatsarchiv verschwinden. 40 Prozent der Parkplätze sollen erst einmal erhalten bleiben. Damit könnten dort an manchen Tagen weiterhin Veranstaltungen wie Outdoor-Messen oder das Naturvision Filmfestival stattfinden. „In absehbarer Zeit“, so Baubürgermeister Michael Ilk, soll das Areal aber endgültig und für immer autofrei werden.

Außer den Grünen begrüßt eine Mehrheit im Gemeinderat den Umgestaltungsprozess in zwei Etappen. Wie dieser Prozess vonstattengehen könnte, will die Verwaltung der Phantasie von Stadtplanern überlassen. Im Frühjahr wird laut Ilk ein Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben. Bis Jahresende können Planer ihre Ideen beim Rathaus einreichen. Der Baubürgermeister ist nach eigener Aussage selbst gespannt, welche Lösungsvorschläge präsentiert werden. Denn die Planer haben zu berücksichtigen, dass durch die Wilhelm- und Arsenalstraße eine Trasse für den BRT und später für die Niederflurbahn führen soll, die eine Zufahrt für Autos auf den Arsenalplatz unmöglich machen könnte.

„Am besten wäre es, die Arsenalstraße für Autos zu sperren. Viele Autofahrer wollen gar nicht in die Innenstadt, sondern nutzen die Schiller-, Arsenal- und Wilhelmstraße nur als Abkürzung zur B 27. Aber eine Sperrung ist politisch nicht durchsetzbar“, ahnt Ilk. Vor dem Jahr 2021/22 dürfte mit einer Fertigstellung des ersten Planungsabschnitts jedoch nicht zu rechnen sein.

Debatte wie beim Marktplatz

Der Streit um den autofreien Arsenalplatz erinnert an gleiche kontroverse Debatten im Gemeinderat vor 30 Jahren über die Neugestaltung des Marktplatzes. Der war bis 1992 vom Autoblech bedeckt. Der Brunnen in der Mitte stand einsam auf der Zufahrts- und Ausgangsstraße des öffentlichen Parkplatzes. Dass dort an selber Stelle einmal Eltern auf Stühle sitzend und mit einer Eistüte in der Hand ihren Kindern beim Spielen zuschauen können, war damals unvorstellbar. Heute ist der Platz neben dem Schloss die wichtigste Adresse für Touristen. Gegner hatten in den 1980er-Jahren argumentiert, die Parkplätze müssten zum Schutz des Einzelhandels bleiben. Außerdem drohe ansonsten ein Abwandern der Kundschaft ins Breuningerland.

Die Argumente von CDU und Freien Wählern sind bis heute so geblieben. Den Bürgern dürfe das Einkaufen mit dem Auto nicht vermiest werden, sagen sie. Ihr erster Kompromissvorschlag war, die Parkflächen unter die Erde zu verlegen. Dann könnte darüber eine Grünfläche wachsen. Finanziell und organisatorisch sei dies schwer umsetzbar, hielt die Verwaltung dagegen. Gleichzeitig präsentierte sie Bauwünsche der Kreissparkasse. Die wird in der Nachbarschaft ihren Stammsitz erweitern und unter anderem eine dreigeschossige Tiefgarage bauen. Ein Teil soll öffentlich zugänglich sein. Mit diesem Angebot würden auf dem Arsenalplatz wegfallende Parkplätze kompensiert, sagt Ilk.

Von einigen Gemeinderäten wird gesagt, sie kämpften um den Erhalt der Parkfläche, um sich letztendlich gegen den BRT und eine Niederflurbahn zu stellen. Denn, wie die Straßen rund um den Arsenalplatz, den Autoverkehr und zusätzlich einen BRT oder eine Niederflurbahn verkraften sollen, ist im Gemeinderat nicht ausdiskutiert. Verkehrsplaner Volker Deutsch vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, der kürzlich in einer Veranstaltung der Stadt einen Vortrag zum BRT hielt, machte deutlich, dass im Straßenraum kein gemeinsamer Platz ist für Verkehr, Parken und ÖPNV-Trassen.

Wie Rettungskräfte sich behaupten können

DEMO, Uwe Roth, 18.12.2018

In speziellen Kursen lernen Rettungskräfte oder Mitarbeiter öffentlicher Verwaltungen Selbstbehauptungs- und Deeskalationsstrategien.

Selbstbehauptung geht vor Selbstverteidigung. So beschreibt Marc Louia den Aufbau seiner Kurse, die er im schwäbischen Pfullingen (Landkreis Reutlingen) unter anderem Rettungskräften und Mitarbeitern öffentlicher Verwaltungen anbietet. Der 51-Jährige ist Mitglied im Verein „Selbstbewusst & Stark“ des Bundesverbands Gewaltprävention. Seit sich Meldungen häufen, dass Rettungskräfte während ihrer Einsätze körperlich bedroht werden, wächst auch in seiner Schule die Zahl der Anmeldungen aus Rettungsorganisationen.

Gewalt nicht mit Gewalt begegnen

Louia macht deutlich, dass die Lösung nicht darin bestehen könne, in erster Linie die Selbstverteidigungskräfte zu trainieren, also Gewalt mit Gewalt zu begegnen. „Bei uns geht es vor allem um die Selbstbehauptung und Deeskalation, also um alles was passiert, bevor es im schlimmsten Fall zu einem Übergriff kommt“, sagt Louia.

Prävention beginnt bei ihm im Kopf: Wie bereite ich mich auf der Anfahrt vor? Wie trete ich am Einsatzort auf? Wie erkenne ich Gefahren im Vorfeld? Wie gehe ich mit Störern um? Wie sichern wir uns gegenseitig ab? „Uns kommt es vor allem darauf an, dass die Teilnehmer lernen, dass man durch bestimmte Verhaltensweisen gefährliche Situationen oft bereits im Ansatz verhindern kann.“ Grundsatz stimme, betont er nachdrücklich: Eine gute Selbstbehauptung erspart in den meisten Fällen die Selbstverteidigung.

Wichtige Übung: selbstbewusstes Auftreten

Eine wichtige Übung in seinem Kurs ist, ein selbstbewusstes Auftreten am Einsatzort zu trainieren. Er demonstriert, wie man blitzartig in eine Schutzhaltung in Bedrohungslagen kommt. Im Einsatz konzentriert zu arbeiten und gleichzeitig den Eigenschutz nicht zu vernachlässigen, sei ebenso eine Sache des Trainings. Zum Beispiel werde gezeigt, wie man eine Person bestmöglich zum Rettungsfahrzeug bringt oder wie Sanitäter auf bedrohliche Situationen im Fahrzeug während des Transportes reagieren können.

Von Selbstverteidigung spricht der Lehrer, wenn es darauf ankomme, eine gute Schutzhaltung bei Bedrohung einzunehmen und aus dieser sinnvoll zu handeln. Doch auch dabei sei Selbstbehauptung wichtig, weil es immer einen Plan im Kopf geben müsse. „In Konfliktsituationen entscheidet nämlich zu 80 Prozent der Kopf, wer als Sieger oder Verlierer vom Platz geht. Eine gute Technik macht lediglich 20 Prozent aus“, ist seine Erfahrung. Wer sich wirklich verteidigen wolle, der müsse in der Lage sein, seinem Gegenüber klar zu machen, dass er nicht das Opfer sei, für das ihn der Angreifer halte. „Körperliche Fitness ist immer ein Pluspunkt, aber in unserem Konzept nicht entscheidend.“

Mentale Vorbereitung

Eine mentale Vorbereitung, die hilft, Gefahrenlagen rechtzeitig zu erkennen, in Kombination mit einem selbstbewussten Auftreten, sei für die Prävention von großer Wichtigkeit. Körperhaltung, Blick, Stimme, Gestik oder Mimik verrieten dabei viel über die Absichten des Gegenübers. Das körpereigene Gefahrenradar, wie er es nennt, könne geschult werden. Es erfasse, wer sich im eigenen Umfeld bewege und drohende Gefahren. Wichtig sei eine angemessene Kommunikation – beispielsweise mit einem Gegenüber, der offensichtlich unter Einfluss von Rauschmitteln steht. Erst ganz zum Schluss stehe „eine verhältnismäßige Selbstverteidigung“.

Stadtticket-Erfolg weckt Interesse weiterer Gemeinden

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 18.12.2019

Ein günstiges Stadtticket wie in Ludwigsburg könnte den Bürgern in Bietigheim-Bissingen ebenso gefallen. Im Workshop der Stadt zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor zwei Wochen hätten Teilnehmer den Wunsch nach einer Flatrate fürs Busfahren geäußert, heißt es aus dem Rathaus. Tatsächlich scheint das für einen Tag gültige Stadtticket, das in der Kreisstadt nach langer und zäher Diskussion im August eingeführt worden war, zu einem Erfolg zu werden.

Nach Angaben des VVS ist das Ludwigsburg-Ticket zwischen August und September rund 70 000 Mal verkauft worden. Das sei beachtlich, da diese Ferienmonate gewesen seien und zudem wenig Werbung für den neuen Tarif gemacht worden sei. Im Zeitraum von August bis Oktober hätten die Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Fahrgastzuwachs von elf Prozent verzeichnet. Etwa 45 000 zusätzliche Fahrgäste seien seither gezählt worden. Das wird vor allem auf die Preissenkung für Stadtfahrten zurückgeführt.

Zuschuss über 700.000 Euro

Die SPD-Fraktion im Ludwigsburger Gemeinderat, auf deren Initiative die Einführung zurückgeht, hatte ursprünglich ein Ein-Euro-Ticket gefordert. Daraus sind drei Euro geworden. Das Gruppenticket für bis zu fünf Personen kostet jetzt sechs statt wie vor der Einführung 12,30 Euro. Bislang hält es einen Anteil von fünf Prozent am Stadtticket-Verkauf. Die Vermarktung wird über den VVS gesteuert.

Zwar ist das Ticket am Automaten und ebenso über die VVS-App erhältlich, doch fast alle Fahrscheine werden direkt beim Busfahrer gekauft, beobachtet man beim VVS. Da der Verkauf trotz der Fahrgastzuwächse nicht kostendeckend ist, schießt die Stadt im kommenden Jahr laut ihrem Haushaltsplan bis zu 700 000 Euro zu.

Die Gestaltung des Stadttickets hat sich inzwischen zum Ludwigsburger Modell entwickelt, das immer mehr Interessenten findet. VVS-Geschäftsführer Horst Stammler stellt fest: „Es gibt inzwischen viele Städte in der Region, die für ihre Gemarkung einen eigenen Stadttarif anbieten und ihren innerstädtischen Busverkehr für ihre Bürger noch attraktiver machen wollen. Wir finden das gut.“

Ziel: Autoverkehr reduzieren

Dadurch werde zum einen der Autoverkehr auf den meist stark befahrenen Straßen reduziert. Zum anderen entlasteten Tagestickets den Busfahrer beim Verkauf. Die Schlangen würden kürzer, und der Bus könne pünktlicher weiterfahren. „Künftige Stadttickets sollten nach demselben Muster wie Ludwigsburg gestaltet werden“, bekräftigt Stammler nach den Erfahrungen der vergangenen fünf Monate.

Im Landkreis Ludwigsburg besteht nach Kenntnissen des VVS neben Bietigheim-Bissingen unter anderem in Besigheim, Kornwestheim und Remseck Interesse an einem solchen Tarif. In Bietigheim-Bissingen, wo die SPD-Gemeinderatsfraktion im Jahr 2015 einen ersten Antrag für die Einführung eines solchen Tickets – erst einmal ohne Erfolg – gestellt hat, ist nun wieder der Gemeinderat am Zug, wie die Rathaussprecherin mitteilt. Der müsse nach den Workshops und der Aufbereitung aller Ideen durch die Experten entscheiden, was konkret unternommen werde. Dazu zähle eine Entscheidung über „ein wie auch immer geartetes Stadtticket“. Außer Ludwigsburg gebe es in Reutlingen das 365 Euro-Jahresticket. Diese Modellprojekte seien zeitlich begrenzt und stünden seitens der Stadt unter Beobachtung. „Wir führen mit dem VVS Gespräche, was solche Modelle in Bietigheim-Bissingen kosten würden“, heißt es im dortigen Rathaus.

Um eine Entscheidung treffen zu können, sei es ausschlaggebend, die Höhe der Zuschüsse aus dem Haushalt zu kennen. Das werde parallel zu den Beratungen des Verkehrsentwicklungsplans 2030 (VEP) vorbereitet, sagt die Rathaussprecherin.

Stuttgart 21: Turmforum zieht ans Gleis 16

Südwest Presse, Uwe Roth, 17.12.2018

Die Informationsplattform muss den Bahnhofsturm verlassen. Im kommenden Jahr entsteht für 3,4 Millionen Euro ein Neubau. Von Uwe Roth

Die Dauerausstellung zum Projekt Stuttgart 21 zieht ans Gleis 16. Die Deutsche Bahn, die Landesregierung, die Stadt Stuttgart und der Verband Region Stuttgart (VRS) haben insgesamt 3,4 Millionen Euro für ein neues Informationszentrum bewilligt. Am derzeitigen Standort oben im Bahnhofsturm kann das sogenannte Turmforum nicht bleiben: Denn der Bonatzbau wird von 2020 an in seinem Inneren komplett erneuert. Nur noch die Hülle des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes aus dem Jahr 1922 wird stehen bleiben.

Die Vorbereitungen zu den auf fünf Jahre angesetzten Umbauarbeiten beginnen Mitte 2019. Dann werden der Turm samt Aussichtsplattform, die auf 58 Meter Höhe einen grandiosen Blick auf die Stadt bietet, für Besucher geschlossen. Die Schau soll dann ab September 2019 in einem Neubau am östlichsten der 16 Bahngleise gezeigt werden.

Vier Millionen Gäste

Das derzeitige Turmforum war Mitte 1998, lange bevor Stuttgart 21 öffentliches Aufsehen erregte, eröffnet worden. In diesen 20 Jahren haben nach Angaben des Trägervereins rund 4,1 Millionen Menschen die Ausstellung der Projektgesellschaft besucht. Dazu kamen 12 000 Führungen durch die Ausstellung und über das Baustellengelände. Am Freitag war diese Bilanz in einem kurzen Festakt mit viel lokaler Prominenz und dem Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) als Vertreter des südlichen Endes des Bahnprojekts gefeiert worden.

Vorsitzender des Vereins Bahnprojekt Stuttgart-Ulm ist der frühere CDU-Bundestagsabgeordneter Georg Brunnhuber. Er schwärmt, das Turmforum gehöre zu den Stuttgarter Highlights wie der Fernsehturm, die Museen oder die Wilhelma. Es sei ein festes Ausflugsziel geworden.

Ausstellungsfläche schrumpft auf 300 Quadratmeter

Ein Besuchermagnet soll die neue Informationsstätte bleiben. Der Anspruch dürfte nicht einfach einzulösen sein. Die Ausstellungsfläche schrumpft von 500 auf 300 Quadratmeter. Das Gebäude wird wieder eine Ausstellungsplattform bekommen. Die ist dann lediglich 26 und nicht mehr knapp 60 Meter über dem Boden. Was an der Raumgröße fehlt, soll über die Präsentationstechnik ergänzt werden. Brunnhuber spricht von digitalen Informationsmedien, über die sich Besucher mit speziellen Brillen in virtuelle Welten begeben können.

In der Virtual Reality sehen die Besucher nicht nur Züge, die in den neuen unterirdischen Bahnhof einfahren oder mit hohem Tempo nach Ulm rasen. Im Gegensatz zur alten Ausstellung soll die neue Schau mehr Themen aufgreifen. Das dürfte den Geldgebern geschuldet sein. Das Verkehrsministerium und die Stadt Stuttgart geben jeweils eine halbe Million Euro zum Bau und für die neue Ausstattung. An der Verwaltungsspitze stehen jeweils Mitglieder der Grünen-Partei, die sich immer wieder kritisch zum Projekt S 21 äußern. Sie wollen nicht nur als Geldgeber auftreten, sondern beim Ausstellungskonzept mitbestimmen.

Stadt will eigene Ausstellung

Baubürgermeister Peter Pätzold kündigt an, dass die Stadt die Bevölkerung über das geplante Rosensteinquartier informieren möchte. „Die Stadt setzt auf die Inbetriebnahme 2025, damit wir endlich das Wohnen der Zukunft zeigen können“, sagte Pätzold. Auf einer 100 Hektar großen Fläche, auf der heute noch Gleise liegen, sollen nach Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs ab dem Jahr 2025 nach und nach etwa 5600 Wohneinheiten entstehen.

Gerd Hickmann ist Abteilungsleiter im Verkehrsministerium. In früheren Zeiten hat sich das Tübinger Kreistagsmitglied der Grünen offen gegen das Projekt gestellt. Heute sitzt Hickmann im Vorstand des Pro-S-21-Vereins und lobt die konstruktive Zusammenarbeit. Er äußert einen Sonderwunsch, mit dem einige Projektbefürworter im Verein ihre Probleme haben dürften: Für Hickmann wäre es „ein starkes Zeichen“, wenn die Ausstellungsmacher der Geschichte des Protests im künftigen Informationszentrum einen Platz einräumen würden. Bislang informieren die S-21-Gegner über ihre Sicht in einem Zelt am Ende der Königstraße.

Infos über S-Bahnen

Der Verband Region Stuttgart bringt ebenfalls 500 000 Euro ein. Dafür möchte der VRS besonders dem für die Region bedeutenden Nahverkehr Ausstellungsfläche widmen, kündigte Regionaldirektorin Nicola Schelling an. So soll über das ETCS informiert werden. Die elektronische Steuerung soll helfen, dass S-Bahnen, für die der VRS zuständig ist, in kürzeren Abständen fahren können. Mit der Tieferlegung des Hauptbahnhofs werden einige Bahnhöfe in der Region zu regionalen Knotenpunkten aufgewertet.

Am neuen Ausstellungskonzept werde bereits gearbeitet, sagt David Bösinger, der Leiter des Turmforums. Von der Medientechnik könne nicht viel mitgenommen werden, da sie veraltet sei. Das Info-Zentrum sei Vorbild für viele solcher Einrichtungen von Großprojekten in Deutschland geworden. Dieser Anspruch solle aufrechterhalten werden.

Abschied Johannes-Christoph von Bühler in Ludwigsburg

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 17.12.2018

Johannes-Christoph von Bühler ist am Sonntag mit einem Gottesdienst in der Ludwigsburger Friedenskirche in den Ruhestand verabschiedet worden. Der evangelische Theologe war 15 Jahre als Schuldekan für die Kirchenbezirke Ludwigsburg und Besigheim zuständig. Sein Betreuungsbereich reichte von Kornwestheim im Süden bis Lauffen ganz im Norden.

Hunderte angehender Religionslehrer hat er in den Beruf begleitet. Er hielt mit viel Zeitaufwand die Fäden zwischen seiner Kirche und der Staatlichen Schule zusammen. „Ich war so gerne Schuldekan“, bekennt er vor seinem Ruhestand, der offiziell erst im März beginnt. „Schuldekan ist ein fantastischer Beruf.“ In diesem Amt habe er „relativ viele Freiheiten“ gehabt. Und er bekräftigt: „Ich würde es glatt noch einmal machen.“

Schüler im Mittelpunkt

In seiner Zeit lag ein grundlegender Wandel in der Gestaltung des Unterrichts: Im Mittelpunkt steht nicht mehr der Lehrstoff, sondern die Kompetenz des Schülers. „Wir haben eine Menge pädagogischen Raum durchschritten“, bilanziert der 65-Jährige. Früher sei der Katechismus das Maß der Dinge gewesen. Für die Schüler war das Gebot, die evangelischen Glaubensgrundsätze auswendig zu lernen. „Wie beim Nürnberger Trichter. Wissen wird oben reingestopft.“ Heute sei der Unterricht auf Kreativität angelegt: „Wir fangen schon in den Grundschulen an, mit den Kindern über schwierige Fragen zu diskutieren und sie zum selbstständigen Denken aufzufordern“, sagt er. Schüler sollen Denken lernen – beispielsweise bei der Interpretation von Geschichten aus der Bibel. „Wie schaffte es Gott, Daniel ohne Verletzungen aus der Grube des Löwen zu kommen?“, war so eine Frage an die Kinder. „Da kamen dann wilde Konstruktionen heraus. Aber das war okay.“

Von Bühler hatte selbst lange Unterricht gegeben, bevor er als Schuldekan aus der hintersten Reihe im Klassenzimmer Religionslehrer bei ihrer Arbeit beobachtete und anschließend bewertete. „Unterrichten, das war mein liebstes Ding“, sagt er noch heute. „Vor meiner Zeit als Schuldekan habe ich mit großer Freude in einer Werkrealschule unterrichtet. Da habe ich wirklich mein Herz für diese Schulart verloren.“ Seine Reli-Kinder damals in Ditzingen habe er „sehr geliebt“.

Sein Beruf sei auch nach der Zeit als Gemeindepfarrer „relativ seelsorgelastig“ geblieben, wie er sagt. Die Verwaltungsarbeit habe sich „relativ in Grenzen gehalten“. Dagegen sei er bei der Betreuung angehender Religionslehrer oftmals intensiv als Seelsorger gefragt gewesen. „Bevor junge Lehrer die Berufungsurkunde erhalten, ist ein Gespräch fällig“, erläutert er. „Sie glauben nicht, was bei diesen Gesprächen unerwartet alles auf den Tisch kommt.“

Quasi als Rektor habe er als Schuldekan 20 eigene Lehrer beaufsichtigt. Wenn er sie zum ersten Mal gesehen habe, seien sie oft noch Jugendliche gewesen, die gerade mit ihrem Studium fertig geworden seien. Sie hätten eine Begleitung in den Status eines Erwachsenen benötigt. Bis manche selbstsicher vor eine Klasse stehen konnten, habe es oftmals den „Bedarf vieler Gespräche“ gegeben.

Sechs Thesen

Zum Abschied hat Johannes-Christoph von Bühler sechs Thesen hinterlassen. Die erste lautet: „Es braucht in einer christlichen Pädagogik den Vorrang der Person in Achtsamkeit und sensibler Wahrnehmung, in Interesse und Wertschätzung.“

Ohne Vorrang der Person landeten „sowohl pädagogische Theorie als auch Erziehungsarbeit im pädagogischen Aus“. Der Religionsunterricht, so heißt es in der vierten These, könne auch abstürzen. „Wie lange wird der Religionsunterricht noch an Konfession und Bekenntnis gebunden bleiben“, stellt er sich darin die Frage.

Werteerziehung

Als Einwanderungsland benötige Deutschland eine „allgemeine und verpflichtende Werteerziehung“, fordert er und fragt: „Sollte dies in Zukunft den Religionsunterricht ersetzen?“

Die Frage, ob er vollständig aus der Kirchenarbeit steigen wird, lässt er unbeantwortet. Stattdessen erläutert er, dass seine Frau, eine ehemalige Gymnasiallehrern, bereits im Sommer in den Ruhestand gegangen sei. „Sie ist fünf Tage älter als ich.“ Mit dem gemeinsamen Pläneschmieden für die kommenden Jahre haben sie bis zu seiner Verabschiedung gewartet. „Wir haben uns darüber verständigt, dass wir uns neu erfinden wollen. Bis jetzt steht da aber noch nichts fest.“

DER SCHEIDENDE SCHULDEKAN

Dr. Johannes-Christoph von Bühler ist 1953 in Tuttlingen geboren und in einem evangelischen Pfarrhaus in Stuttgart und in Markgröningen aufgewachsen. Sein Abitur hat er 1972 am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg gemacht. Anschließend folgte ein Studium der evangelischen Theologie in Tübingen, München und Jerusalem mit Examen in Tübingen.

Das nachfolgende Studium der Erziehungswissenschaft in Tübingen endete mit einer Promotion über die Entstehung der Jugendforschung. Nach dem Vikariat war er 15 Jahre Pfarrer im Kirchenbezirk Ditzingen. Von 2003 bis 2018/19 Schuldekan in Ludwigsburg. uro

Kommunen müssen sich in Europa einmischen

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 11.12.2018

Wie wird Europa seinen Bürgern wieder nähergebracht? Darüber sprechen unter anderem 120 Delegierte aus 20 europäischen Ländern, die Konferenzgäste im Landratsamt Ludwigsburg sind. Weitere Schwerpunktthemen sind die Nachhaltigkeit und dabei die Suche nach pragmatischen Lösungen, wie man beispielsweise in den Kommunen Plastikabfälle vermeiden kann.

Hauptredner des ersten Konferenztags aus der Landesregierung waren am Montag Europaminister Guido Wolf (CDU) und der örtliche Europaabgeordnete Rainer Wieland (CDU), der zugleich einer der Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments ist. Veranstalter ist der Council of European Municipalities and Regions (CEMR). Landrat Rainer Haas ist seit 2016 der Co-Präsident des mächtigen Zusammenschlusses europäischer Städte und Regionen.

Er erklärt sein Engagement auf europäischer Ebene so: „Die Kommunen müssen sich in Europa mehr einmischen.“ Die Landratsämter und Rathäuser sollten sich nicht nur als Umsetzer europäischer Regelungen betrachten, sondern Brüssel politischen Input liefern. Ginge es nach ihm, würde er beispielsweise das Prinzip der Einstimmigkeit knacken, mit dem sich die Mitgliedstaaten gegenseitig blockierten.

Schnelleres Europa

Das hindere die Staats- und Regierungschefs in der Regel daran, die Europäische Union in wichtigen Angelegenheiten, wie Vertragsreformen oder die Weiterentwicklung des Steuerrechts. Ein Europa höherer Geschwindigkeit ist für Haas die einzige Lösung, um zu einem neuen EU-Vertrag zu finden und so dem derzeitigen Schlamassel beispielsweise um die Flüchtlingsverteilung oder Schuldenobergrenzen zu entkommen. Denn mindestens ein Staat stellt sich nach seiner Erfahrung in einer wichtigen Abstimmung jedes Mal quer.

Den Rat der europäischen Städte und Regionen gibt es bereits seit 1951 und er vertritt heute die Interessen der lokalen und regionalen Gebietskörperschaften sowie deren Verbände aus 42 Staaten. Der „CEMRE“ vertritt etwa 130 000 kommunale und regionale Verwaltungen. Die Herkunftsländer der Teilnehmer sind nicht alle Mitglieder der Europäischen Union. So sind auch die Türkei, Georgien und die Ukraine dabei. Zusammengekommen sind in Ludwigsburger Kreishaus die Mitglieder des Präsidiums (Executive Bureau) und des Hauptausschusses (Policy Committee). Landrat Haas wünscht sich, dass die Organisation dieses Pfund nutzt und ihr politisches Gewicht im europäischen Gesetzgebungsprozess stärkt. Vom kommunalen Pragmatismus und der Bürgernähe könne die EU profitierten, ist er überzeugt.

Einmütiges Votum

Auf seine Initiative verabschiedete der Verband vor zwei Jahren einen Forderungskatalog an das Europaparlament und die EU-Kommission zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Asylrechts. Der Beschluss habe vor allem deshalb Furore gemacht, weil er ohne Gegenstimmen zustande gekommen sei. Die Resolution gilt nach seiner Auffassung als Beleg dafür, „dass Politiker auf kommunaler Ebene es sich gar nicht leisten können, nicht pragmatisch zu sein und auf Augenhöhe eher gemeinsame Lösungen finden“, so Haas. Nur hätten die Regierungen der EU-Staaten dieses einmütige Votum von der Basis nicht wahrgenommen.

Europaminister Guido Wolf hält es ebenfalls für notwendig, dass sich die EU-Institutionen stärker an den Kommunen orientieren sollten. „Brüssel und Straßburg können etwas mehr von den Kommunen gebrauchen“, sagt er in seinem Grußwort am Montag. Europa müsse sich nicht um alles kümmern, „dafür um die richtigen Dinge“, so Wolf.

Europaabgeordneter Rainer Wieland betont in seinem Vortrag vor allem auch die Fortschritte, die die EU seit ihrer Existenz gemacht habe und leider nicht entsprechend gewürdigt würden. Wer über die Existenzbedingungen in den vergangenen Jahrhunderten nachdenke, werde zum Ergebnis kommen, dass er in Europa zu keiner anderen Zeit habe leben wollen als zu dieser Zeit.

Neckar: Surfwelle kommt näher

Südwest Presse, Uwe Roth, 10.12.2018

Einer Flusswelle im Neckar in Untertürkheim stehen laut einer Studie keine ökologischen Einwände entgegen.

Stuttgart. Die hiesigen Surfsportler, die sich in dem Stuttgarter Verein „Neckarwelle“ zusammengeschlossen haben, feierten am Samstag ihr einjähriges Vereinsbestehen. Die Stimmung in ihrer Stammkneipe in der Geisstraße war ausgelassen. Dafür gab es allerdings neben dem Jubiläum noch einen weiteren Grund: Der Verein ist in der vergangenen Woche seinem Herzenswunsch ein Stück nähergekommen und damit dem Traum von einer surfbaren Flusswelle auf einem Seitenarm des Neckars in Untertürkheim.

Der Vereinsvorstand hat dem Sportausschuss des Gemeinderats eine von der Stadt bezahlte Machbarkeitsstudie vorgestellt. Darin kommt der Gutachter zum Ergebnis, dass einer Umsetzung des Projekts aus ökologischer Sicht nichts im Weg stehe. Vorstandsmitglied Matthias Bauer will nicht von einer Welle der Begeisterung nach der Präsentation sprechen.

Geschätzte Baukosten: 4,2 Millionen Euro

Die Reaktionen der Ratsmitglieder seien aber „sehr positiv“ gewesen, „teilweise sogar begeistert“ – trotz der prognostizierten Baukosten von über 4,2 Millionen Euro. Bedenken kämen zudem vom Landesgesundheitsamt, das Baden im Neckar wegen der Wasserqualität für bedenklich halte.

Bauer führt den Erfolg im Sportausschuss trotz solcher Eintrübungen darauf zurück, dass die Studie aus seiner Sicht fundiert und überzeugend gewesen sei. Der beauftragte Gutachter Gunther Matthäus ist ein für solche Aufgaben bekannter Spezialist. Dazu kommt, dass die Vereinsspitze aus Ingenieuren und Juristen besteht, die Input lieferten. Bauer selbst ist Architekt.

Die Beziehung zum Fluss

Die Neckarwelle ist eine unter der Wasseroberfläche liegende Rampe, die die Strömung um das Vierfache beschleunigt und somit ein Surfen auf dem Seitenarm des Neckars ermöglichen würde. Die Neckarwelle soll mit den Baunebenkosten etwa 3,1 Millionen Euro teuer werden.

Dazu kommen laut Verein Kosten von rund 460 000 Euro, unter anderem für Sanitäranlagen und eine Terrasse. Die Betriebskosten werden auf jährlich 135 000 Euro geschätzt. Diese sollen über Mitgliedsbeiträge aufgebracht werden. Aktuell hat der Verein 300 Mitglieder – Tendenz steigend.

Bauer gibt sich zuversichtlich, dass der Gemeinderat noch im ersten Quartal 2019 grünes Licht gibt. Dann könne die Welle, wie beabsichtigt, 2020 in Betrieb gehen. „Ich denke, der Gemeinderat hat erkannt, dass die Surfwelle eine größere Dimension hat als eine reine Sportstätte“, sagte Bauer. Stuttgart sei dabei, den Neckar für sich zu entdecken. Eine solche Attraktion sei die Chance, eine weitere Beziehung zum Fluss aufzubauen. ⇥Uwe Roth

Kreis-Klinikum Ludwigsburg: Schwarze Null rückt näher

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 08.12.2018

Die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gehen in die Offensive, um dem drohenden Pflegenotstand zu begegnen. Als Arbeitgeber treten sie in Konkurrenz zu den Pflegeeinrichtungen. „Wir suchen jetzt Altenpfleger, um vakante Stellen zu besetzen“, sagte Kliniken-Geschäftsführer Jörg Martin am Freitag bei der Präsentation des Unternehmensplans für das kommenden Jahr.

Die Regionale Kliniken Holding (RKH), zu der die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gehören, hat erste Stellenanzeigen geschaltet. In denen fordert sie nicht wie üblich nur Gesundheits- und Krankenpfleger zur Bewerbung auf, sondern ausdrücklich auch Altenpfleger. „Wir zahlen besser als die Altenpflege“, ist seine Hoffnung auf mehr Interessenten. Zudem will die RKH eine Akademikeroffensive starten, wie Martin mitteilte, um „auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Pflege anbieten zu können“. Außerdem sollen Absolventen eines Pflegestudiums das medizinische Personal entlasten. Üblicherweise hat eine Pflegefachkraft eine dreijährige Ausbildung an einer Pflegefachschule hinter sich. Das Studium mit einem Bachelorabschluss dauert hingegen vier Jahre. Die Akademiker unter den Pflegekräften sollen sich beispielsweise um Problempatienten kümmern und „auch mal eine Nadel legen“. Anreize sollen eine höhere Bezahlung sein.

Gefahr für Intensivstationen

Hintergrund der Offensive ist, dass von 2020 an nach den gesetzlichen Vorgaben ausschließlich examinierte Pflegekräfte refinanziert werden können. Besonders drastische Auswirkungen werde diese Entwicklung beispielsweise für Intensivstationen haben, prophezeit der Klinikchef. Sollten in einer Schicht zu wenige Fachkräfte im Dienst sein, müssten Patienten notfalls abgewiesen werden. „Wir werden wieder einen Intensivtourismus bekommen“, zeigt sich Martin überzeugt und stellt fest: „Wir können keine modernen Konzepte mehr entwickeln.“ Dafür fehle es an unternehmerischen Freiheiten.

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Krankenhäuser in Ludwigsburg, Bietigheim und Marbach sowie der Orthopädischen Klinik Markgröningen (OKM) ist die Klinikleitung allerdings zufrieden. Während der Ludwigsburger Standort auf ein zu erwartendes Ergebnis im kommenden Jahr von 1,28 Millionen Euro kommt, ist Bietigheim mit 25 600 Euro mittlerweile leicht im Plus. Marbach jedoch stagniert bei einem Minus von zwei Millionen Euro. In der OKM sind nach einer längeren Umbaupause 2019 wieder sämtliche zwölf Operationssäle in Betrieb. Während für dieses Jahr noch ein Minusergebnis von 915 800 Euro erwartet wird, soll im nächsten Jahr ein kleines Plus von 33 200 Euro stehen, so OKM-Geschäftsführer Olaf Sporys.

Investition: 200 Millionen Euro

Insgesamt, so ist sich Holding-Geschäftsführer Martin sicher, könne zum Ende nächsten Jahres eine „schwarze Null“ für alle Häuser erreicht werden. „Wir haben die Kliniken für den Landkreis wirklich gut konsolidiert.“ Mit 15 000 Betten für etwa 540 000 Kreisbürger sei das Verhältnis ausgewogener als in der Landeshauptstadt, in der die Kapazitäten größer seien. In den kommenden vier Jahren sollen in die Häuser Ludwigsburg, Bietigheim und Marbach 200 Millionen Euro investiert werden, so Regionaldirektor Matthias Ziegler. In Bietigheim werde der Masterplan Bau ständig fortgeschrieben. Die Wahl des Architekturbüros für den Erweiterungsbau mit einer Fläche von 15 000 Quadratmetern sei im September erfolgt, ebenso im November die Wahl der Fachplaner. Die Ausführungsplanungen sollen Anfang des Jahres beginnen. Die beiden früheren Notaufnahmen seien bereits zusammengelegt worden. „Das hat uns große Fortschritte gebracht“, so Ziegler. Derzeit werde der OP-Bereich umgestaltet und die plastische Chirurgie weiter ausgebaut und die Kapazitäten in der Adipositas-Chirurgie erweitert. Eine papierlose Patientendokumentation (Orbis mobility) soll es bis zum Jahresende in allen Stationen geben.

In Ludwigsburg steht die Erweiterung der Psychiatrie an. Dafür sind 8,6 Millionen Euro eingeplant. 6,8 Millionen Euro hat die Holding in eine neue Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) investiert, die im ersten Quartal 2019 in Betrieb gesehen soll. Die Abteilung in Bietigheim soll dann geschlossen werden.

Ludwigsburg: üppige Zuschüsse aus Berlin

Südwest Presse, Uwe Roth, 01.12.2018

Im Kampf gegen Luftschadstoffe hat Ludwigsburg einen Helfer im Verkehrsministerium.

Ludwigsburg. Gegen ein drohendes Dieselfahrverbot und gegen die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kämpft die Stadt Ludwigsburg – gemeinsam mit ihrem CDU-Bundestagsabgeordneten. Das Stickoxid-Problem liegt in der vielbefahrenen Friedrichstraße. Der Jahreswert überstieg im vergangenen Jahr die zulässige Konzentration um etwas mehr als zehn Mikrogramm je Kubikmeter Luft.

Die DUH hat kürzlich angekündigt, dass ein Verfahren, das sich gegen Ludwigsburg richtet, demnächst wohl eröffnet wird und ein Urteil im kommenden Jahr zu erwarten sei. Zudem arbeitet das Regierungspräsidium derzeit an einem Luftreinhalteplan für die Stadt. Für OB Werner Spec, der 2019 wiedergewählt werden möchte und die Bekämpfung des Klimawandels in der Stadt mit seinem Namen verbunden hat, ist Steffen Bilger ein Segen: Der 39-jährige ist nicht nur Abgeordneter, sondern auch Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Chef der CDU-Nordwürttemberg. Die hat auf seinen Vorstoß hin den Antrag gestellt, die Gemeinnützigkeit der DUH überprüfen zu lassen. Ein Schritt, den Spec begrüßt.

Viel Geld aus dem Sofortprogramm „Saubere Luft“

Gegenüber dem Handelsblatt sagte Bilger, Ludwigsburg habe alles getan, um die Luftreinhalteziele einzuhalten. Die Stadt komme sehr gut voran damit. „Trotzdem wird die Stadt von der DUH verklagt.“ Das Problem jedoch ist, dass seit einigen Monaten NOx- und Feinstaubkonzentrationen wieder etwas steigen. OB Spec führt das auf die anhaltende Trockenheit zurück.

Bilger ist ein Befürworter einer Nordostumfahrung von Stuttgart, die auch Ludwigsburg entlasten würde. Zudem ist er für die Stadt ein wichtiger Faktor zur Beschaffung von Fördermitteln geworden. So verkündete er im Juni im Rathaus, dass die Stadt erhebliche Mittel aus dem Sofortprogramm Saubere Luft 2017 bis 2020 der Bundesregierung erhalten werde, noch bevor die Bescheide in Berlin unterschrieben waren. Am Ende erhielt Ludwigsburg 6,1 Millionen Euro vom Bund, die Landeshauptstadt nur 1,9 Millionen Euro.

Auch bei der jüngsten Bescheidübergabe in Berlin kam die Stadt gut weg: Ludwigsburg erhält eine Förderung für insgesamt 122 Elektrofahrzeuge und 35 Ladestationen. Keine andere Stadt in Deutschland bekommt auch nur annähernd so viele Fahrzeuge bezuschusst. Auf Platz zwei der Förderliste aus dem Verkehrsministerium folgt Düsseldorf mit 45 Fahrzeugen. Stuttgart bekommt hingegen lediglich für 29 Fahrzeuge und ebenso viele Ladestationen Geld aus Berlin. In der Region bekommen darüber hinaus noch die Stadt Leonberg 20 E-Fahrzeuge und 20 Ladestationen sowie die Stadt Esslingen drei Fahrzeuge und zwei Ladestationen gefördert. ⇥Uwe Roth